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Auguste
in der Großstadt
 

Dritter Heimatbrief des Dienstmädchens Auguste Oschkenat aus Enderweitschken per Kieselischken.

Von Dr. Alfred Lau

Königsberg, den 16. April 1925

Liebe Elterchens!

Das war e Woch! Is man gut, daß alle Jahr bloß einmal Ostern is, nich wegen die geforbenen Eier, wo ich gekriegt hab, nei, wegen die Rackerei! Ich hab mir ganz abgekränkelt in diese Zeit, und de Frau hat sich aufgerebbelt, aber bloß mit dem Mund, getan hat se nuscht, se hat mir bloß immer eingeschwunkt. Alle Stubens mußd ich aufkraasseln, de Gardienen waschen, dem Teppich aufem Hof auskloppen und was weiß ich noch! Mit Draht hab ich dem ganzen Dreck vonne Dielen abgekratzt, wo die Herrschaften das ganze Jahr reingeschleppt hadden, denn knied ich mir hin und rubbeld immer mit Wachs rum, daß mir de Ellbogen weh taten. Und das Wachs, das stieg einem inne Nas, das stunk nich zum Aushalten. Aber ich hab dem Schnupfen, da konnd ich bei wenigstens nich so doll riechen. Der Ärwin hadd am besten, der mußd immer im Bett liegen, weil er ieberall untre Fieß war, der hat sich emal richtig ausgemolscht. Inne gute Stub is e großer Teppich, dem hab ich aufem Hof geschleppt und mit em Siebenzagel beaast. Ich kriegd dem Krät bloß nich aufe Stang rauf. Aber da kam gerad der Briefträger wo mir eirem Brief brachd, der erbarmd sich ieber mir und hat ihm iebre Stang riebergezoddert, dem Teppich mein ich, nich dem Brief! Runderzunehmen war all leichter, bloß da fiel er aufe Erd, aber de Frau hat nuscht von gesehn, die war gerad inne Stadt. Und denn das Fensterputzen! Die wurden und wurden nich blank, und dabei hab ich gerubbelt, daß mir das Wasser pieperlings ieberm Ricken runterlief. Die waren aber auch so dreckig und blind, daß einer bald nich durchkiken konnd. Inne Kich hab ich dem Kessel und die Töppe gescheiert, ich nahm Sand, weil das doch viel besser geht, bloß Stroh hadd ich nich, deshalb nahm ich e Baumwollkodder. Mittwoch haben wir Fladen angeteigt, der wurd klietschig, aber das is de Frau ganz gut, was horchd se mir auch nich! Ich sagd ihr, se soll man orndlich Häfen reinnehmen, aber se nahm so e Pulve, was ebenso gut sein solld wie Häfen, ich traud gleich nich und hab nu auch recht gehabt. Denn hadd wieder der Bäcker schuld, der hadd ihm nich lang genug gehen lassen, sagd de Frau. Aber ich bleib dabei und laß mir nuscht vorräden, das lag bloß an dem krätschen Pulver! Wie wir dem Fladen geholt hadden, dirfd der Ärwin ihm auch besähn und beriechen. Der Gnubbel gield immer aufem Eisschrank rauf, wo der Fladen stand. Und wie keiner da war, da stelld er sich e Stuhl ran und spikt immer mit em Finger im Kuchen rein, denn lutschd er ihm ab und spikt wieder rein. Er machd immer ein Lochche am andern, und denn puld er de Rosinen raus und fing an, ein Aend zu begnagen. Der Krät kann das Schmengern doch nich seinlassen! Nu hadd er dem ganzen Kuchen begnabbelt und wir mußden noch einen backen; dem haben die Gäste verdrickt, wo Erstfeiertag kamen. -

Nu war denn wenigstens alles bei uns blank, inne Stub konntst rein Schlittche fahren. Wie der Herr Donnerstag aus em Biero kam, da glitschd er inne gute Stub aus und hädd sich halb was gemacht. Er schimpfd, weil de Dielen so glatt waren, aber se sollden doch so sein. Kannst all machen, wie willst, einem paßt immer nich!.

Dem Braten kaufd de Frau selbst, ich wolld ihm kaufen gehn, weil ich mitem Fleischer gut bekannt bin - wieso, wer ich noch erzählen - aber ich dänk, sie kennt ihm auch. Der Kaufmann, wo immer "jnäd'ges Freilein" auf mir sagt, gab mir e Stickche Sonnabendseif magrietsch, zu Ostern sagd er. Und die Seif sah auch wie e Osterei aus. Da hab ich aber dem Ärwin mit angefiehrt. Ich legd se aufem Kichentisch, daß er se klauen solld. Und richtig! Er kickd immer so umme Eck, ob ich nich säh, denn nahm er und biß rein, und denn fing er an zu bölken, weil ihm die Seif nich schmeckd. De Frau schimpfd, daß ich immer alles rumliegen laß, aber ich sagd, das is ihm gut, was nimmt er auch immer alles, was er nich nähmen soll! Am Sonnabend färbden wir Eier ze Ostern, de Frau wolld dem Ärwin gleich e schönes rotes Ei gäben, aber er nahm nich, er dachd, das is auch Seif! Der Herr hat auch Eier und Osterhaschen aus Zucker und Schoklad mitgebracht, die mußd ich ieberall verklauen, daß der Aerwin se am Sonntag suchen konnd. Ich hadd seine Verstecker ausgekniewelt, inne Vasen, wo er nich langen konnd, inne Schuh, wo er nich denkt. Wie er nu nich fand, da fing er an zu plinsen; da haben wir ihm gezeigt, wo de Eier sind. Aber er nahm sich bloß Schokoladenhaschens. Verdient hadd er gar nuscht, denkt bloß, inne gute Stub hadd er sich Erstfeiertag e Schorrbahn gemacht und de Dielen zerkratzt bis er hinflog. Da hat de Frau ihm versohlt, bei wenigstens einmal! Aber was nitzd das, ich mußd die Stell noch emal blank wienern.

Zu Ostern hab ich mir auch neie Schuh gekauft, meine waren all ganz ausgelatscht. Ich mußd orndlich suchen, weil sie inne Läng meist passden, aber nich breit genug waren, se drickden immer ieberm Spang. Denn fand ich aber e Paar, wo ganz genau paßden, die kosteden 15 Mark, aber ich nahm se. Die Minna, wo ieber uns is, kickd ganz gnietsch, wie ich se ihr zeigd. Ich hab braune genommen, weil ich all immer schwarze hadd und weil mir de Frau auch braune Strimpf schenken wolld, was se denn auch getan hat. Se sagd, weiße Strimpf passen nich zu die Schuh, und ich muß ihr auch recht geben. Was recht is, muß recht bleiben. Das rosa Kleid is ja eigentlich auch nich mehr gut, aber mein Geld reichd nich und de Frau hadd mir ja auch e Blus geschonken. Wenn einer was fier nuscht kriegt, wär einer doch dammlich, wenn einer sich was kaufen solld!

Ich sagd eben was vonne Minna, das is meine Freindin, aber se is keine Freindin, se heiß man so! Die Krät gönnt mir gar nuscht, bloß wenn ich aufe Herrschaft schimpf, denn is se immer auf meine Seit. Aufem andern Sonntag wollen wir beiden zesammen mit em Franz, was ihr Schmisser is, e Ausflug machen. Bloß se hat Angst, daß ich ihr dem Franz abspenstig mach, deshalb hat se noch ihrem Bruder eingeladen, der is ganz verrickt auf mir, sagt se. Zeigt bloß dem Kardel nich diesem Brief! Ich hab dem August, so heiß de Minna ihr Bruder, bis jetz bloß einmal gesähen, das aufe Trepp, wie er Fleisch brachd, er is nämlich Fleischer - ich sagd all, daß ich beim Fleischer bekannt bin! Er sieht ganz orndlich aus, wenn er bloß nich, wenn wir gehen, wieder die weiße Jack anzieht, daß einer dänkt, er is Balbutz! Aber er wird schon nich, denn die Jack is all orndlich dreckig. Bei de Minna geh ich alle Abend e Weilche nahbern, denn plachandern wir beids immer ieberm August un ieberm Franz. Vom Kardel hab ich ihr auch erzählt, aber se sagd: "Mensch, sei doch nich dammlich", sagd se, "wenn der August dir nimmt, denn kannst doch immer inne Stadt wohnen!" Und das is ja auch wahr, bloß ich weiß nich, ob er mir auch wirklich nähmen wird.

Is bei eich abens auch immer noch so schubbrig? Dem ganzen Tag is so heiß, daß einer bald nich aushalten kann, und willst abens e bißche rausgehn, dann mußt immer noch e jack rieberziehn, sonst erkältst dir. Dem Schnupfen hab ich auch bloß von das dammlige Wetter gekriegt. Stillfreitag war ja ganz schön, und de Feiertag schien die Sonnche, daß einem ganz kribblig wurd. Bloß ich konnd nich raus, weil de Frau dem ganzen Tag Besuch hadd.

Nu wer ich aber aufhören mit dem Schreiben, daß ich bei wenigstens richtig ausschlaf. Also gut Nacht! Dem Kardel grießt man all lieber nich, sonst müßt ihr ihm ja dem Brief zu läsen geben. Das könnd Klamauk geben, womit ich schließ'.

Eire treie Tochter

Auguste

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