Brautsuche
Von Paul Scholz
Der Franz wird heuer dreißig Jahr'.
Da wird es manchem Nachbarn klar,
daß er 'ne Braut jetzt haben muß.
Der Muttchen macht es viel Verdruß,
und auch dem Vatchen ist es schwer,
daß keine Frau der Franz bringt her.
Denn beide woll'n ins Ausgeding.
Die Kräfte werden zu gering,
drum muß 'ne junge Frau ins Haus!
Jedoch beim Franz, da wird nichts draus.
An Mädchen gibt es ja genug.
Doch eine ist ihm viel zu klug,
die andre wieder ist zu dumm.
Die eine hat den Puckel krumm ,
die andre findet sich zu schön,
weil alle Burschen nach ihr seh'n.
Die eine hat kein Wies', kein Feld,
die andre prahlt mit ihrem Geld.
Die eine schielt, die andre keift.
"Daß ihr's noch immer nicht begreift",
sagt Franz, als Vater wieder gnurrt
und auch die Muttchen an ihm purrt,
"ihr wißt, der Vater hatt' es leicht,
das hätt' vielleicht auch ich erreicht;
der hat die Muttchen sich genommen.
Ich - soll ein fremdes Weib bekommen.
Aus: "Ermlandbuch 1992"
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