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Gedichte
in hochdeutsch
 

Das Gewürz der Sel'gen

Von Paul Scholz

Der Arthur seine Not ist groß.
Die Frau starb viel zu früh und bloß,
allein im Haus wer schafft denn das?
Da macht das Leben keinen Spaß.
Die Kinder leben hier und dort,
doch keins mit ihm am gleichen Ort.
Mal geht der Arthur in den Krug
zum Essen, mal ist's ihm genug,
sich aus 'ner Büchs was aufzuwärmen.
Wer würd' von solchem Leben schwärmen?

Der Arthur ist noch resolut,
drum ist der Kreis der Frau'n ihm gut,
und als das Trauerjahr herum,
da spricht es sich im Dorfe um:
"Wer könnt' denn wohl den Arthur frei'n
und noch für Jahre gut ihm sein?"
Bald hat an Frieda man gedacht
und sich an sie herangemacht
und auch dem Arthur zugeredt,
daß es für ihn noch nicht zu spät.
Die Frieda hatt' noch keinen Mann
und fängt sich erst zu zieren an;
allmählich ist sie doch bereit,
und als der Arthur um sie freit,
da sagt sie "ja!" Warum denn nicht?

Die Hochzeit wurde ausgricht'.
Und jetzt ist Arthur gut gestellt.
Wenn mittags zwölf die Kirchglock schellt,
dann steht das Essen auf dem Tisch,
und jeden Tag was Neues.
Frisch und fein gebraten steht es da.
Und jed'smal fragt die Frieda:"Na,
hat dir das Essen auch geschmeckt?"
Der Arthur, der den Mund noch leckt:
"ja, ja, es schmeckt. Aber gewürzt
hatt' meine erst' es anders." Stürzt
für Frieda da ein Himmel ein?
Bei Gott nicht. Doch ein bißchen klein
kommt sich die Frieda dann doch vor.

Nun gab's'nen Tag, nicht wie zuvor
denn heut' war Frieda was passiert.
Das Essen angebrannt! Sie rührt
und rührt im Topf, will's überdecken
mit ander'm Würzen. Doch verstecken
kann sie Geruch nicht und Geschmack.
Ob Arthur wohl das Essen mag?
Ganz klein sitzt sie am Tische da.
Doch wißt ihr, was ihr da geschah?
Der Arthur schmeckt das erste Stück
und lehnt genüßlich sich zurück.
Er hebt den Kopf verklärt sein Blick:
"Sag, Frieda, heute hatt'st du Glück!
Jetzt werden beide wir gesunden:
Das Gewürz der Sel'gen hast du gefunden!"

Aus: "Ermlandbuch 1992"

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