www.ostpreussen-humor.de
Gedichte
in hochdeutsch
 

Der stillvergnügte Hantler

Richard Heymann

Ein jedes Ding muß haben seine Zeit,
Je nach dem Wetter trag' ich meinen Mantel -
Hab' ich des Tag's dem Handel mich geweiht,
Des Abends greif' ich zur geliebten Hantel.

Ich zähle mich zum Corps der alten Herr'n,
das ist commod', und ich bin gar nicht eitel;
Nennt mich nur ruhig so, ich hab' es gern,
Wenn auch noch dicht bewaldet ist mein Scheitel.

Fürwahr, ich thue redlich meine Pflicht,
ich quäle mich ohn' jegliche Betrübung,
und tröpfelnd rinnt der Schweiß vom Angesicht,
Wenn glücklich überstanden ist die Uebung.

Ich bin vergnügt, und es bekommt mir auch;
Nie leid' ich mehr an einer Blutverstauung.
Bescheid'ner werden seh' ich meinen Bauch,
Und ganz famos benimmt sich die Verdauung.

Ich sehe ohne Missgunst zu,
Wenn Andre sich am Riesenaufschwung laben,
Und keine Kreuzwell' bringt mich aus der Ruh' -
Das ist nichts mehr für einen ält'ren Knaben.

Befriedigt eil' ich, wenn die Uebung aus,
Zum Tröpfchen Bier, zumal zu einem echten,
Wenn's sich so macht, zur Kneip', wenn nicht, nach Haus,
Auch da verzapf' ich nämlich keinen schlechten!

Aus: "Humore am Pregelstrande" -Dichtungen von Richard Heymann,
erschienen: Königsberg i. Pr. 1900. Verlag: Bon's Buchhandlung

zum Gedichtverzeichnis