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Gedichte
in hochdeutsch
 

Der Samagonka-Geist

Waltraut Fabisch-Rynek

Heiter war es in Masuren,
als noch viele Schmuggler fuhren,
um aus Polen Schnaps zu holen.
Als noch Zoll und Polizisten
stöberten in Heu und Kisten
auf der Suche nach dem Geist,
der da Samagonka heißt.
Schmuggeln tat mit sehr viel Schneid
Bauer Karl Kaludrigkeit.
Er holt dieses köstlich Naß,
gut getarnt im Gurkenfaß,
zu der Zöllner arg Verdruß
übern seichten Galinde-Fluß.
Er versteckt's auf seinem Wagen,
wo auch leere Fässer lagen.
Diese Sache ging lang gut,
bis die Zöllner voller Wut
sich dann auf die Lauer legten
und im Sinn nur Böses hegten.
Sie verplemperten nur Zeit,
denn der Karl Kaludrigkeit
rettet sich in eine List
und fährt tagelang nur Mist.
Als die Zöllner Übles riechen,
sie aus allen Büschen kriechen.
Und sogar die Polizei
kommt heraus, sie ist dabei.
Kaludrigkeit tut sehr erschreckt,
die Arme er zum Himmel reckt:
Erbarmung, Mann, Erbarmung!
Die Polizei in Tarnung!"
Er will Genaues wissen,
fragt, wen sie denn vermissen,
ob etwa ein Verrückter
aus Kortau ausgerissen?
Kurz darauf, nach ein paar Tagen,
macht Karl mit seinem Wagen
in altbewährter Weise
über die Galinde seine Reise,
um aus Polen Schnaps zu holen.
Auf der Rückfahrt ist's geschehen,
daß die Zöllner ihn gesehen,
doch ihr Zuruf: "Stehnbleiben, halt!"
macht, daß laut die Peitsche knallt.
Und ganz wie in Römertagen
sieht man Karl mit seinem Wagen
hastig durchs Gelände jagen.
Auf dem Hof hat jeder Gaul
dann auch weißen Schaum vorm Maul.
Als die Zöllner nach Minuten
später mit dem Auto tuten,
spannt der Karl die Pferde aus,
und die Oma sitzt vorm Haus.
Sie befreit zum Mittagsmahle
die Kartoffeln von der Schale.
In dunklen Ecken suchen
die Zöllner, und sie fluchen
so nach Masurenart
deutsch-polnisch in den Bart.
Bauer Karl fragt auch noch dreist:
"Sucht ihr vielleicht nach einem Geist,
der da ,Samagonka' heißt?
Mensch, das weiß doch jedes Kind,
daß Geister schlecht zu finden sind!"
Aus seinen Augenschlitzen
sieht man tausend Teufel blitzen.
Sie droh'n ihm mit Verhaftung
und mehr unschönen Dingen,
jedoch das Faß zu finden
will ihnen nicht gelingen.
Denn, wer würde sich schon trau'n,
'ner Oma unter'n Rock zu schau'n!

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