Der Sekretär
Von Otto Miller
Tief gebückt und tintenspritzend,
hinter dicken Akten sitzend,
journalierend und mundierend,
überall geknutscht, gehemmt
und von Domherrn eingeklemmt,
vom Generalvikar behuckt
und von oben angekuckt
und von niemand respektiert
und als Hofclown engagiert,
ewig schreibend, schreibend, schreibend,
ewig Sekretarius bleibend:
Dieses ist die Kummernus
Eines Sekretarius.
Abgenutzt ist der Popo
von dem Sitzen im Büro,
und die Beine hochgezogen,
sitzt er täglich auf dem Bock.
Speckig glänzt der Ellenbogen
an dem ausgefransten Rock.
Und die Hose wird allmählich
an dem Hintern glanzvoll ölig.
Und kommst du nach dreißig Jahren
einst nach Frauenburg gefahren,
wirst du auf dem Domberg sehen
einen armen Alten gehen.
Knickebeinig, mager, krumm
schleicht er durch das Publikum.
Ach, der Sekretarius
leidet längst am Tintenfluß.
Ewig vor dem Bischof bücken,
das verbog ihm seinen Rücken,
längst schon ist sein graues Haupt
seines Spiritus beraubt.
Und man sieht ihm an von hinten:
Dieser Mann saß in den Tinten.
Ach, er kam auf seinem Posten
nur auf die Begräbniskosten.
Dieses ist der Lebensschluß
eines Sekretarius.
Mensch, so'n Leben, das ist Mist.
Freu dich, daß du Pfarrer bist.
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