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Gedichte
in hochdeutsch
 

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Von Paul Scholz

Aus Markeim Frau Wedig und Frau Lilienthal,
die machen, wie jedes Jahr einmal
-so sind sie's gewohnt - eine Wallfahrt gemeinsam;
für einen wär' ja der Weg auch zu einsam.
Nach Springborn wandern sie strammche dahin,
und manches geht ihnen dabei durch den Sinn:
die Kühe, der Milchpreis, der Mann und die Kinder.
Sie haben gebetet, doch hol's doch der Schinder,
die Sorgen des Alltags sind nicht zu vertreiben.
Beim Speck die Gedanken jetzt hängen bleiben,
der wird - 's ist November - schon ziemlich knapp;
vor Weihnachten sticht man die Sau erst ab,
um Schinken und Wurst zu räuchern und Speck.
"Ich fürchte, ich komme nicht rüber weg",
sagt Berta (Frau Wedig), "drei Wochen sind lang,
mein Mann ißt Krischels so gern, ich bin bang,
der Speck langt mir nicht bis zum neuen Schlachten."
Sagt Lilienthals Anna: "Bei näher'm Betrachten
versteh' ich nicht, Berta, wie konnte es sein,
daß du deinen Franz heut' läßt ganz allein.
Wenn der so 'nen Janker auf Speck hat, na warte,
du find'st heute abend vom Speck nur die Schwarte."
Da lächelt die Berta verschmitzt und spricht:
"Mir scheint, du kennst mich noch lange nicht.
Ich packte, mir fiel das vor'm Weggeh'n grad'ein,
dem Franz sein Gebiß in die Tasch' hier hinein."

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