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Gedichte
in hochdeutsch
 

Hoch das Wasser

Johannes Trojan

Erschreckt nicht, Freunde, wenn ich's wage,
Was freilich sonderbar erscheint,
Daß Gutes ich vom Wasser sage,
Dem wir doch sonst von Herzen feind.
Wenn jetzt ich lobend sein gedenke,
Das oft der Zecher schaudernd nennt,
So rühm' ich es nicht als Getränke,
Ich rühm' es nur als Element.

Gut ist es an der rechten Stelle,
Wenn blinkend es im Sonnenstrahl
Als Bach mit übermüt'ger Welle
Hinabspringt durch ein schönes Tal.
Wir schaun mit ruhigem Gefühle
Ihm zu und freun uns seiner Pracht,
Wenn es das Rad treibt einer Mühle
Und sonst für uns sich nützlich macht.

Wir können es mit Lust betrachten,
Wenn laut es rauscht und Wellen schlägt.
Wer wollte wohl das Meer verachten,
Das weinbeladne Schiffe trägt!
Daß Kühlung es und wonn'ge Frische
Uns spendet, wissen wir ihm Dank.
Es ist das Wohnhaus guter Fische
Und, Dank dem Himmel, auch ihr Trank.

Wenn es nur nicht in unsre Fässer
Sich eindrängt, sei dem Wasser Preis!
Wir denken gern an manch Gewässer,
Davon das Lied zu sagen weiß.
Wir singen von den Rebenhügeln
An Rhein und Mosel hochentzückt,
Die in der Ströme Flut sich spiegeln,
Von ihr befeuchtet und erquickt.

Darum gelobt sei und gesegnet
Von uns das Wasser allezeit!
Was würde wohl, wenn es nicht regnet,
Aus unserm Trost in Sorg' und Leid?
Nein, Tau und Regen stehn in Ehren
Und müssen fallen für und für,
Weil sonst gar bald verschmachtet wären
Die Reben, und mit ihnen wir.

Des Wassers laßt uns gern gedenken,
Wenn es in richtigem Gebrauch;
Es tränkt die Reben, die uns tränken,
Und trinken muß der Weinstock auch.
Wohlan, die Gläser wollt erheben,
Gefüllt mit flüss'gem Gold vom Rhein!
Stoßt an: Hoch soll das Wasser leben,
Weil durch das Wasser lebt der Wein!

Aus: "Scherzgedichte", J.G.Cotta'sche Buchhandlung
Nachfolger Stuttgart und Berlin 1924

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