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Gedichte
in käslauisch Platt
 

Man ömmer dütsch rede

Von Wilhelm Reichermann

Sehr väle ut em Röchterstand
sönd fremd önn onsem Preißeland,
utandere her Provinze her.
Ons' Sproak, de kömmt en spanisch vär,
ons' Plattdütsch klingt en ganz kurios,
onn darönn licht de Grund ook blos,
dat man de Hand micht häufig bräke,
äw mancher Urteil, wat se spräke.
Steiht so e Sünder vär Geröcht
met sienem domme Schoapsgesöcht,
weet sölwst kuhm, wat he hefft gedoane
onn kann em Röchter nuscht verstoane,
onn em versteiht de Röchter nich,
denn steiht sien Sach sehr kläterig.
Onn öss gerecht de Röchter ook,
he wat nich ut dem Kördel klook,
wat ärgerlich onn onngeduldig
onn spräckt en Onnschuldge oft schuIdig.
Da loow eck mie en hies'ge Mann
als Röchter, wo ook plattdütsch kann,
wo Land onn Lüd ganz gründlich kennt,
onn't Ding biem rechte Noame nennt.
Genau met onser Art vertrut,
kröcht he de Wahrheit meistens rut,
onn wenn se falsch woa wolle schwäre,
kömmt he en önn de Röcht von väre.
Sitt jedem an e Näs' gliek an,
ob he em Gloowe schenke kann.

Een Knecht ook vär Geröcht moal steiht
de dönt biem Herr von Fahrenheid;
väl Spiretus önn de Kaldune,
hadd he ömm Gade von Beinuhne,
ohn' ömm Erlaubniß örscht to froage,
de Näs' der Venus affgeschloage.
De Röchter spräckt: "Ich frage Sie,
ob Sie bekennen, der Statü,
als Sie getrunken viel zu viel,
zerstört zu haben das Profil?"
"Nä", sächt de Knecht, "dat hebb eck nich!"
"Durch Leugnen schädigen Sie sich!
Sie sind so gut wie überführt;
Sie haben dieses Monument
mit einem harten Instrument
in böser Absicht stark lädiert.
Die Sache ist ja sonnenklar!
Nun reden Sie! Ist dieses wahr?"
De Kördel hefft sien Mötz gedrellt,
onn ut Verlegenheit gepuscht,
he weet nich, wat de em vertellt.
"Eck", sächt he, "eck, eck weet von nuscht!"
"Sie wissen wirklich gar nichts? Nein?
Sie scheinen sehr verstockt zu sein!
Sie sollten lieber sich was schämen!
Wir werden Zeugen jetzt vernehmen,
und wenn die Zeugen sind vernommen,
dann wird ans Licht die Wahrheit kommen!"
Da meldt seck eener von de Schäppe,
wo stöll dabie gesäte hebbe,
lacht önnerlich äw de Geschicht.
"Gestatten Sie", sächt he, "Herr Rat,
daß an den Täter dieser Tat
ich eine kleine Frage richte?"
Dat wurd erlaubt, he kunn nu froage:
"Du Fried", froagt he, "hast Du der Popp
de Näs' ömm Gade affgeschloage?"
De Fried de nöppt met sienem Kopp:
"Joa", sächt he, "dat hebb eck gedoane,
wat wahr öss, wöll eck ook gestoane!"

Aus: "STARKER TOBBAK" von Wilhelm Reichermann

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