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Gedichte
in missingsch
 

Amalie

Von Dr. Alfred Lau

Amalie is all virzig Jahr,
Sie dienet frei und fleißig,
Und wenn der Friehjahr kömmt im Land,
Denn wird se neinunddreißig.

Wenn das e Weil so weitergeht
Mit das Zurickgekuller,
Denn kömmt se inne Kindheit rein
Und brauch e frischem Schnuller.

Amalie is e edler Mensch,
Behäbig, rund und speckig,
Inwändig hat se viel Gemiet,
Von draußen is se dreckig.

Wenn se sich raufhuckt aufem Stuhl,
Denn stellen wir uns neben
Und denken, wenn se aufstehn will,
Foorts rein, nu bleibt se kleben.

Amalie singt dem ganzen Tag,
Mal schmalzig und mal heftig,
Se singt nich richtig, auch nich scheen,
Doch dafier laut und kräftig.

Se singt von ihrem Grenadier,
Dem kann se nich vergessen,
Und wenn se nich zu heeren is,
Denn tut se Keilchens essen

Und mit e Schalche dicke Milch
De Spirgels runterspielen,
Wo se zuerst bepustet hat,
Um ihnen abzukiehlen.

Das Pusten is se so gewehnt,
Sonst tut es ihr nich schmecken,
Drum pust se auch de dicke Milch
Zuerst von alle Ecken.

Amalie is e Unglicksmensch,
Das is rein nich zu sagen,
Denn was se inne Finger kriegt,
Das tut se auch zerschlagen.

Doch ob se noch so viel zerkeilt,
Se lächelt froh und heiter:
"Das schadt nuscht, Scherben bringen Glick!"
Und töppert ruhig weiter.

Amalie hat zu große Fieß,
De Schuhe tun ihr kneifen,
De Hände sind dafier zu klein,
Drum kann se schlecht begreifen.

Se findt e mal e leichten Tod,
Wenn sie ihm wird erleben;
Viel Geist hat se, das is gewiß,
Bestimmt nich aufzugeben.

Amalie hat, was wichtig is,
Auch nich emal e Kerdel,
Amalie is mit einem Wort
E ausgesprochne Perdel.

Quelle: "Plidder; Pladder." Gedichte in ostpreußischer Mundart
von Dr. Alfred Lau; Gräfe und Unzer Verlag München, 1954

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