De Keenigsberger Bimmelbahn
Von Friedrich Erich Petukat
Will einer man mal nach Neihausen
und is kein armer Schlucker er
und hat er Zeit e ganzem Pungel
und Angst nich vors Jestucker sehr,
denn stiebelt hin er nach de Kleinbahn,
die dicht liegt annem Keenichstor,
nimmt Platz im vollgeprempsten Laden
und kommt sich orntlich protzig vor.
Da einmal, grad so um Kleinmittag,
de Abfahrtzeit war längst in Sicht,
der Schornstein spuckt aus alle Fugen
wie einer, der nich Luft mehr kricht,
da scheest so'e alter Sperlingsschlucker
am Bimmelbahnche hin und her,
auf einmal schmeißt er in de Brust sich
und schnarrt ganz laut: "Herr Schaffeneer,
was sind denn das für blöde Sachen,
wie lange steht de Kiste noch,
wenn krauft das Ding denn endlich weiter?
das is ja unbeschreiblich doch!"
"Man immer sachte, liebes Mannche,
daß wir noch nich jefahrn sind, nu -
das is man bloß doch ihre Schuld hier,
was stehn se denn noch immerzu,
erst rennen se e halbe Stund foorts
von eine inne andre Eck -
und lassen uns wie dammlich lauern
und fiehrn uns aufem Gänsedreck!"-
"Nich im Jeringsten, dacht ich also",
sagt der nu so gescholtne Mann,
"ich wollt nur sehen, wenn se fahren,
ob man so schnell auch laufen kann ..."
Quelle: Marion Lindt: "Lustige Schabberei"
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