De Brautschau
Von Dr. Alfred Lau
Nu war der Otto nich mehr weit von dreißig,
breit wie e Scheinentor, gesund und fleißig,
und brauchd e Frau, es war de heechste Zeit,
drum kriegd er de Marieche zugefreit.
Die war noch jung und hädd noch keine Sorgen,
huckd staatsch als einzges Kind auf hundert Morgen
und kriegd von eine Tante aus Berlin
e Haufen Geld und zwölfmal zu beziehn.
Drum hat se auch nich gleich erst wem genommen,
wo bei ihr Sießholz raspeln is gekommen,
e Mordsmergell wie die mit alles dran,
die kriegd, das wußd se, immer noch e Mann.
So lauerd se geduldig aufem richtgen,
nu mißd der Otto hin und ihr besichtgen,
er schmiß sich inne Brust und im Schakett,
ging aufe Bahn und kaufd sich e Baljett.
Denn fuhr e halbe Stund er bis Bokellen,
wo alle Hundchens mittem Zagel bellen
und wo, e schwarzem Wallach vorgespannt,
fier ihm e gelbe Gigg am Bahnhof stand.
Das hädd er schriftlich all vor zwei, drei Wochen
mit die Marie ihr Vater so besprochen.
Nu war er da. Se gaben sich de Hand
und stiegen ein und fuhren ieber Land.
Natierlich war beim Fahren aufem Wagen
de beste Zeit, noch dies und das zu fragen.
So sprachen se vom Feld und vonnes Vieh
und zwischendurch auch mal von die Marie.
Dem Otto tat was andres noch bedricken,
er mißd bloß immer aufem Wallach kicken.
Der schwarze Wallach, nei, war das e Pferd!
Das war bestimmt de ganze Brautschaft wert.
Marieche lächeld, rot bis iebre Ohren,
und hat am Otto foorts ihr Herz verloren.
Der ieberlegd e Weilche und beschloß:
"Ich nehm ihr, aber außerdem das Roß."
"Nei", hat der Vater ihm darauf entgegent,
"und wenn drei Tage junge Hunde regent,
das is mein letztes Wort, das merken sich,
de Tochter kriegen Se, dem Wallach nich!"
"So", sagd der Otto drauf, de Stirn in Falten,
"denn können de Marie Se auch behalten
mit Hof und Geld und zwölfmal zu beziehn
und mit die reiche Tante aus Berlin."
Fimf Jahre später traf er in Gerdauen
er dachd, er konnd nich seine Augen trauen,
per Zufall, wies so kommt mal, de Marie.
Da ging er auf ihr los: "Verzeihen Sie,
vor eingen Jahren mußden wir uns trennen,
ich weiß nich, Freilein, ob Sie mich noch kennen."
"Natierlich! Gut! Vleicht dachden Se wo nein?
Se wollden doch mal unserm Wallach frein!"
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