De Menschenoap
Von Friedrich Erich Petukat
Dem Tiergarten in Keenigsbärg,
Dem schenkte man e Menschenaffen;
Und bald kam alles angescheest,
Dem neien "Bruder" zu begaffen.
Und selbst vom Land, da kam Besuch,
Einmal sogar e ganzes Klass'che.
Und jeder ganz verdaddert stand
Vor diesem seltnen Riesenaffche.
Der Lehrer drum nuscht Bessres wußd,
De Kinderchenns - trotz langem Stiebeln
Vom Dorfche hin nach Keenigbärg -
Mit viele Fragen gleich zu zwiebeln.
Bloß als mit einmal de Musik
Vom Pavillon fing an zu schmettern,
Da machden se auf einmal kehrt,
Um zu de Spielers hinzuschettern.
Da wurd' der Lehrer booßig sehr:
"Was das hier fier 'ne Ordnung is!
Bezähmt eich mal und kommt hierher,
Sonst hagelt's blitzblau Donnergrienis.
Paßt auf; denn dazu sind wir hier,
Dafier bekamt ihr eiren Dittchen,
Und seht eich an das Wundertier;
Sonst nehme ich eich am Schlafittchen!
Also - wem ähnelt dieser Oap
Mit seiner ries'gen Körperlänge
Und seinem großen kant'gen Kopp?
Was fällt eich auf an seine Fänge?"
"Na", sagt drauf Kirschtens Ede foorts,
"De Beine sind ihm man sehr dinne,
De Fingers hat er wie ä Mänsch,
Um se sich in de Nas' zu stecken;
Und seine Arme, wenn's ihm beißt,
Um besser hintenrum zu recken.
Auf seinem Hals da huckt e Kopp;
Doch scheint er nich viel drin zu haben,
Sonst würd er - wenn man ihn nuscht tut -
Nich immer inne Rund rum draben.
Aus seinem Schnabel tut er bloß
In einem zu sich ganz besabbern,
Womit doch e vernünft'ger Mänsch
Versucht zu butschen und zu schabbern.
Und iebre Nas' zwei Kugels stehn,
Um anne Welt sich zu beglicken,
Mit die e andrer, der wo schielt -
Kann iebern eignen Ricken kicken.
De Tuntel selbst is ziemlich klein,
Doch am vergnatzten sind de Ohren;
Wenn er mit die nich schlackern dät,
Dann dächd man, die wärn angefroren.
Ich hab ihm dennoch im Verdacht,
Daß er auch hert, was er nich sollte,
Weil einmal, als ich schichert ihm,
Er wie verrickt durchs Gitter wollte.
Im iebrigen, Herr Lehrerche,
Kann dieser Oap mir sein gestohlen,
Wenn so e Oap e Mänsch sein soll,
Denn soll som Kreet der Deikert holen!"
Quelle: F. E. Petukat "Hübsch hoch den Kopf ihr lieben Leute"
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