E Familjenspaziergang im Kenichsberjer Tiergarten
von Fritz Klabustrijkeit
Ich wollt neilich meine Familje Bildung belehren
Und wollt ihr zu de Natur bekehren.
Drumm fuhr ich nach Kenichsberj inne Stadt
Wo doch so e scheenem Tiergarten hat.
De Frieda, meine Ollsche, beide Gnossens, de Tante,
Wo doch auch dem Tiergarten noch nich kannte.
Alle waren se rein wie bedeiwelt,
Und alle kamen se mitjescheiwelt.
Zu de Frieda sagt ich: "Man bloß nich verjessen
Nimm auch e bis'che völlich man mit zu fressen.
Und denn sprecht dort hibsch hochdeutsch, - nich immer quasseln.
Sonst tu ich Eich alle was verdasseln."
Und denn sind wir losjerannt,
Der Aufzuch, der war hechst imposant.
Wir beide vorn, foorts wie de Engels
De Tante hinten mit de Bengels.
Und als Vater belehrt ich nu hechst verständich
im Garten de Gnossens eijenhändich.
Hier! Das is e Lew und das is e Aff
Und das e Tiejer, das e Schaf
Und das is e Wolf und das e Luks
Und das is e afrikanischer Fuks.
Und das is der Vogel Adebahr
Der bringt die Kinder. - "Is nich wahr!"
Sagt Franz, - "das is mon bloß Jequassel."
Ritz, - knallt ich ihm all eins am Dassel.
Denn kamen wir vom Adebar
Zum riesengroßen Drommedar.
De Frieda sagt: "Fritz, kick man zu,
Das Aas is pucklich, grads wie Du."
Ich ließ mir daderum nich steeren
Und sprach nu weiter zu de Jeehren:
"Das Drommedar hat einen Huckel
Das Trampeltier hat noch e Buckel."
Mit eins, da stinkt das so unsäjlich
"Na nu, Fritz, wie is so was mejlich?"
"Ich dacht, das Tier das wollt mir fressen,
Da hab ich mir vor Angst verjessen."
De Frieda schreit: "De neie Bixen!
Papa, Du mußt ihm jleich verwichsen."
Denn jingen wir noch bei de Bären
Wo pranzeln nach was zum Verzehren.
Klamheimlich holt ich mit'e Habs
Aus e Hosentasch e Buddel Schnapps.
Und gab se denn, was doch verboten,
Dem Bären in de großen Foten.
E scheenrem Spaaß kannst Dir nich denken
Als so e Bär e Schnaps zu schenken.
Das Aas sauft ohne abzusetzen
Es schafft ihm sichtliches Erjetzen.
Nu hat er alles ausjesuckelt.
Kick, wie er tanzt und wie er schukkelt,
Doch damit wollt es nich recht jehn.
Und schließlich brillt er was er kann.
Das lockte nu de Wärters an.
Das End von Lied tät ich jern missen.
Wir wurden alle rausjeschmissen.
Und de Moral: Mit Korn und Bittern
Mußt niemals nich de Bären fittern.
Aus: "Aecht Ostpreißisch"
herausgegeben 1937 vom Sturmverlag Gmbh., Zweigniederlassung Insterburg
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