Friehlingsjefiehle
Von Ingrid Koch
Im Friehling, wenn de Sonnche lacht,
denn mußt man Obacht geben,
wird alles anders ieber Nacht,
denn regt sich neues Leben.
Die Schwalbchen kommen al zerick
von langer Winterreise.
Nu denkt der Mensch, es bringt ihm Jlick
auf ganz besond're Weise.
Im Wald, da schreit der Kuckuck rum,
daß ihm ja alle heren:
"Ich un brieten? Bin ich dumm?
Ich werd' mich schon vermehren!"
De Mutter reißt die Kluck vom Nest.
Die kurrt un hackt wie doll.
Die Krät huckt al drei Wochen fest,
wo se doch garnich soll!
De Omche hat e weiches Herz.
Se jibt ihr Eier - is doch klar -
dafier hat se Ende März
e ansehnliche Keuchelschar.
Der Vater holt dem Spaten raus
un wurracht rum im Garten.
Die Hiehner kratzen hinter'm Haus,
weil sie auf Wirmer warten.
Denn kramt er raus das Angelzeug,
ihm jucken al die Finger.
Paar Barsche fängt er denn auch jleich,
so kleine, junge Dinger.
"Die brat' ich ganz fier mich allein,"
sagt inne Kich' der Vater.
Da meint de Mutter: "Lohnt doch nich!
Ach, jieb se man dem Kater."
Der Kurt, e forscher junger Mann,
wird abends erst lebendig.
De Jertrud hat al Söckchen an
un friert nu ganz elendig.
Se dricken sich im Kuhstall rum.
Da isses so scheen dunkel.
Zuerst, da is der Kurt wie stumm
un stolpert ieb're Runkel.
Miteins fängt er zu reden an:
"Ich lieb' Dir!" sagt er zur Marjell.
Er kommt bedrohlich dicht nu ran
un kißt se aufe Stell.
Un denn, denn legt er richtig los
un tut se sacht puscheien.
Die Jertrud denkt indes man bloß
an ihrem Rock, dem neien.
Der Kerl umärmelt se wie doll,
es bleibt nich bloß beim Mutschen.
Sie hat nu alle Hände voll,
mein Zeit, der Rock will rutschen.
Nu hucken se im weichen Heu
un das, was sie so sagen,
nei, das is ieberhaupt nich neu
in diesen Friehlingstagen.
Nu faselt er von Heirat al,
will Ostern sich verloben.
"Nei", sagt sie, "nich so Knall auf Fall.
Das wird noch aufjeschoben.
Weißt was, denn ehrer Himmelfahrt,
wir wer'n die Alten ieberraschen.
Da wird mit Kuchen nich jespart.
Denn isses ein Abwaschen."
Der Kurt der gnurrt: "Das is nich gut,
ich möcht' es bald erledjen!"
Wo sein Muttchen ihm doch tut
alle Tag' von Heirat predjen.
"Sieh man", sagt er, "stell Dir vor,
se tut nu al seit Jahren
in einem Topche ohne Ohr
fier meine Hochzeit sparen."
Sie treten aussem Kuhstall raus,
vom Himmel jielt der alte Mond.
Die Katz' schleppt grad' e Maus nach Haus,
fier sie hat Warten sich jelohnt.
Is alles friedlich, alles still,
es riecht nach Mist und Erde.
Na, denkt der Kurt, Hauptsach' se will,
daß ich ihr Bräutgam werde.
Der Friehling kuckt aus jede Eck,
er zieht nu ein mit Macht.
Die Jertrud kißt dem Kurt ganz keck
un sagt ihm schnell "Gut' Nacht"!
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