Friehkonzert
Von Ernst Gardey
Oma klettert frieh um fimf all
heite auße Posen raus,
steckt sich auf ihr dinnes Zoppche
und sieht recht vergnieglich aus.
Schneit dem Fladen fein in Streimels,
macht sich einem Freßpaket,
kramt im Schaff nach ihr Kapottche,
weil zus Friehkonzert se geht.
Mitte Spitzenpellerine
umme Schultern rauscht se los,
krampfhaft hält se dem Pacheidel,
wo se nich dem Fladen bloß,
nei, auch Pamelchens mit Butter
und zwei Eierchens mit Salz,
wo von wegen das Großfriehstick
vorgesehen allenfalls.
Oma sucht sich denn e Tischche,
wo geheerich windgeschitzt,
spreit ihr Schnupptuch auffem Stuhl aus -
nich vleicht, daß se weicher sitzt-,
nei, von wegnes gute Schwarze,
wo se sich sonst könnt verdrecken,
weil die Stiehl doch vonne Spatzen
meistens aussehn wie de Schecken.
Ehr das Friehkonzert noch anfängt,
kommt der Kellner angepeest,
hat verplaukscht dem scheene Kaffee,
weil er wie e Wilder scheest.
Oma trinkt und stilpt dem Fladen
samt dem Streisel in ihm ein,
manchsmal kleckert aufgeweichter
Fladen innem Kaffee rein.
Oma spannt ihr Sonnenschirmche,
wo aus schwarz Satäng is, auf,
Musikanten mitte Blasen
klettern aufs Podestche rauf.
Durch die morgentliche Friehe
klingt als erstes e Choral,
und die Spatzchens, Leewrings,
Finken machen rings e Mordsschkandal.
Nich vleicht, daß es einem ärgert,
ganz und gar nich, ach, i wo,
heert sich fein an das Gezwitscher
mank Trompeten und Obo.
Oma is ganz Ohr und labt sich
annem Busen der Natur,
und die Musikanten blasen
feste nu aus eine Tour.
Manke Tische rumflankieren
tun Marjellens jung und scheen,
und mit große Kulleraugens
sie nach junge Männers sehn.
Aufgedonnert wie de Grazien
manche sind in Samt und Seid.
Oma sieht ihn nach verstohlen,
denkt an ihre Jugendzeit.
Und da spieln die Musikanten
leise "Aus der Jugendzeit",
Oma wischt sich ab paar Tränchens,
ehr se kullern ihr aufs Kleid.
Wenn Mensch alt is und verschrumpelt,
wird das Herzche manchsmal weich,
denn die Jugend is fier alle
an Erinnerungen reich.
"Lieber Gott, ich alter Scherbel
klopp bald oben bei dich an;
gib mich denn e scheenes Platzche,
wo ich Sonntachs heeren kann
de Posaunenengels blasen
einem Friehkonzertprogramm.
Wenn se auch ganz frieh trompeten,
ich bin sicher auffem Damm!"
Oma schniert ihr Freßpaketche,
Oma klappt ihr Schirmche zu,
denn das Friehkonzert is aller,
leer wird nu all Jakobsruh.
Sitzt sich hier auch wie im Himmel,
gibt sich Oma doch e Stumß,
geht vertreten sich und löffelt
denn ins Milchhaus Schmand mit Glums,
In ihr Herzche tun ihr klingen
lauter Friehlingsmelodien,
und die Fliederbische duften,
und die Butterblumchens bliehn.
Auf ihr Tischche fliecht e Huhnche,
pickt nach Kriemels, macht "gack-gack",
hopst denn weiter, läßt als "Dankscheen"
noch e Haufche Puttekack.
Oma schimpft und scheicht das Huhnche
mitte Pellerine wech,
doch dem Huhnche jankert noch nach
Schwarzes vonnes Fladenblech.
Na, denn laß ihm, denkt de Oma,
biet ihm noch paar Kriemels an!
Und das Huhnche pickt und gackert,
was es irgend gackern kann.
Sitzt e knappes Stundche später
Oma wieder denn zehaus,
steht aufs weiße Fensterkoppche
vor ihr da e Blumenstrauß.
Oma pflickt ihm auffe Wiesen,
wo mit Zaunsdraht abgesperrt;
kann nu frein sich an die Blumchens
bis zus nächste Friehkonzert.
zum Gedichtverzeichnis
|