www.ostpreussen-humor.de
Gedichte
in missingsch
 

Immer gemietlich!

Von Dr. Alfred Lau

Der August Schneidereit aus Neu-Stobingen
Fuhr mitte Bimmelbahn nach Insterburg.
Er wolld dem Schwestersohn e Happche Schmeckwurst bringen,
Weil er noch mal geschlacht hädd zwischendurch.
Er huckd, dem kalten Knösel mang e Lippen,
De Wurst im Schuhkartong, mit Band beschniert,
Und wolld gerad e bische iebernippen,
Da kam e fremder Kerdel reinspaziert,
Der war in Tammowischken eingestiegen
Und hädd e großem Koffer inne Hand,
Er ging de Leite aufes Land betriegen
Mit Schuhwichs, Schreibpapier und Fitzelband.
,,Mensch, Fritz, wo kommst Du her, du alter Sinder?
Wie lang hab ich dir nu all nich gesehn?
Was machen deine Frau und deine Kinder?
Du häddst doch frieher Sticker acht bis zehn!"
So redt er los mit Hände und mit Fieße,
,,Daß ich dir traf! Ich bin direkt beglickt!
Und nu bestell zu Haus man scheene Grieße,
Mein lieber Fritz !" - - Der August huckt und kickt -
,,Ich muß nu raus, wir sind in Pieragienen,"
Und rietz, da hoppsd er auch all außem Zug. -
Jetz fing der Ernst Padeffke an zu grienen:
,,Na August, nu war auch all meist genug!
Was hat der sich da bloß zurechtgedrechselt?
Du hast nich Frau, nich Kind, du heißt nich Fritz.
Der hat dir ganz bestimmt mit wem verwechselt,
Vleicht hädd er auch all einem untre Mitz.
Was sagst dem Dussel das nich gleich beizeiten,
Und wenn er foorzig außem Anzug fällt?"
,,I , Mensch, ich fang mir doch nich an zu streiten,
Da weiß nie keiner nich, wer recht behält!"

Quelle: "Plidder; Pladder." Gedichte in ostpreußischer Mundart
von Dr. Alfred Lau; Gräfe und Unzer Verlag München, 1954

zum Gedichtverzeichnis