Der scheene Hahn
Von Alfred Lau
Der Bauer Bock hädd siebzehn Hiehner
mit einem scheenen Hahn dabei,
der konnd vor Iebermut nich schlafen
und krähd all morgens frieh um drei.
Und was er rausbrachd auße Gurgel,
war ieberhaupt kein Kikriki,
wie fierem Hahn sich tut geheeren,
es war, als wenn e Kuigel schrie,
wenn einer ihm am Zagel zoddert.
So hat er mitten inne Nacht
dem Bock sein Tyras, siebzehn Hiehner
und dem Herr Lehrer wach gemacht.
Der riß natierlich - Buttkus hieß er -
vor Boß sich rein de Haare aus,
sein scheener Schlaf war inne Sohlen,
und um halb sieben mißd er raus.
Acht Wochen hat er ausgehalten.
denn faßd er einem kiehnen Plan,
an einem scheenen Sonntagmorgen
ging er beim Bock und kaufd dem Hahn.
Der Buttkus wußt ihm zu bedimpeln,
hat seinem scheenen Hahn geprahlt,
daß er ihm liebd wie sonst noch keinem,
und auch zuletzt noch gut bezahlt.
So hat dem Bock er eingewickelt,
de Hiehner machden noch gack-gack,
der Tyras wolld ihm inne Bixen,
denn zog er ab, dem Hahn im Sack,
Zu Haus hat er nich lang gefackelt
und ihm de Gurgel umgedreht,
und damit hädd der Hahn, der krätsche,
fier alle Zeiten ausgekräht.
"Zu was", so fragd der Bock ihm, "haben
Se meinem Hahn bloß dot gemacht,
ich dachd, Se liebden ihm von Herzen?"
"Ja", hat der Buttkus drauf gelacht,
"das stimmt ja auch, ich liebd ihm, aber
nich immerzu und ieberall,
ich liebd ihm mittags aufem Teller,
nich morgens frieh um drei im Stall."
Quelle: "Lorbasse und andere Leutchen." Vergnügliche ostpreußische Gedichte, das Beste von Johannes, Lau, Reichermann & Co.,Verlag Gerhard Rautenberg 1995
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