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Gedichte
in missingsch
 

Der Hanschke

von Friedrich von Schiller
Fier Ostpreißen umgearbeitet von Kardel

Dr. Alfred Lau

Der Keenig Franz tat auf die Leewens lauern,
So um Kleinmittag, gegen Uhre zehn,
Und auf die Tigers wo sich zergen sollden,
Das wolld er sich von weitens mal besehn.
Um ihm herum da huckden sich die andern
Und drängden sich zusammen aufe Bank
Aufem Ballkong, wo nuscht passieren konnde,
Und auch e Haufen Weiber waren mang.
An eine Krät, das war die Kunigunde,
Machd foorts sich einer von die Ritters ran,
Der hieß Delorsch und war von bessre Eltern
Und kickde ihr mit Stielchenaugens an.
Bloß der Delorsch, der tat ihr nich geniegen,
Dreckfrässrig, wie e Weibsbild menchsmal is,
Kickd mitte Nasenlöcher sie nach oben,
Das machd ihm ziemlich viel Bekimmernis.
Da winkd der Keenig mittem Zeigefinger,
Die Leewens merkden das und hoppsden rein,
Beschniffelden sich erst und simmelierden,
Wo denn nu bloß de Ritters meegen sein.
Se wollden ihnen gern auf Prob zerpliesern,
Das war e mal e Essen wie zu Haus,
Denn Ritterschinken gab nich alle Tage,
Drum freiden se sich orndlich auf dem Schmaus
Und fuchtelden vor Freide mittem Zagel,
Als wenn e Kindche kriegt e Glasbongbong,
Da plumpsd der Hanschke von die Kunigunde
Mit eins mang ihnen runter vom Ballkong.
Er plaukschde sie im Sand vor ihre Fieße,
Se kickden hin: "Was fällt die Leite ein?"
Der Tiger kratzd sich foorts dem Kopp und dachde:
"Das kann doch nich all wo e Ritter sein?"
Und dem Momang erfaßd die Kunigunde
Und sagd: "Is keiner von die Ritters hier?
Delorsch, nu hol mir fix mal meinem Hanschke
Zurick, de Tierchens lauern all auf dir."
Der Ritter nahm das nu fier volle Wahrheit
Und faßd dem langen Säbel mitte Faust,
Denn haud er ab und schlackerd mitte Knie
Und dachd: "Verflucht, daß dir der Affe laust!"
Die andern taten aller ihm bedauern:
"Was hat der arme Kerdel bloß fier Pech!"
Doch wie er forsch sich mang die Leewens traude,
Da blieb die Leite foorts die Spucke weg.
Und wie er denn mit seine blanke Sporen
Und seine Ristung kam im Käfig rein,
Passierd ihm gar rein nuscht, die Tierchens dachden,
Das muß doch einer von die Wärters sein.
Drum konnd er ruhig sich dem Hanschke angeln
Und brachd die Kunigunde ihm zurick.
Die lächeld all von weitens ihm entgegen
Und jeder dachd, nu kömmt das Liebesglick.
Ja prost! Nu wolld er nuscht mehr von sie wissen,
Weg war die Liebessehnsucht aufe Stell,
Er tat ihr inne Fräß dem Hanschke schmeißen
Und suchd sich foorts e andere Merjell.

Quelle: "Plidder; Pladder." Gedichte in ostpreußischer Mundart
von Dr. Alfred Lau; Gräfe und Unzer Verlag München, 1954

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