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Gedichte
in missingsch
 

Haßgesang gegen meinen Kragenknopf

Von Dr. Alfred Lau

Wer hat bloß die krätschen, molschen,
Hinterrickschen Kragenknöpche
Ausgeknievelt mit die runde,
Blanke, umzubiegne Köpfe!
Diese Dittchekreaturen,
Gut gemeint und schlecht geraten,
Diese wischge Plätthemdpickser,
Diese Knopflochakrobaten!

Wenn ich dem zu fassen kriegde,
Ei, dem mechd ich kujenieren,
Lebenslänglich missd im Diestern
Kragenknöpfe er dressieren.
Und denn missd er mit sie leben,
Einzelnt triezen jedes Knoppche,
Bis er durch e Nadelörche
Premsen lernt das molsche Koppche!

Winseln missden die Posauken,
Die Geduld- und Menschenschinder,
Bis se klein und häßlich wurden,
Und mit sie der Herr Erfinder.
Morgens mußt aus eins du dulksen,
Mal von vorne, mal von hinten,
Weil se ihrem Kopp nich biegen
Und nich innem Stall reinfinden!

Hast se endlich durchgewurgelt,
Weil das Loch ist ausgenuddelt,
Is der frischgenommne Kragen
Rein wie außem Dreck gebuddelt.
Auf die Hemdbrust, die zerknutschte,
Kannst foorts alle Finger zählen,
Und die Frau fängt an zu kakeln:
"Tu doch bloß nich so lang nälen!"

Abends kommst du abgekrängelt
Gegen zehn zu Haus geschweiwelt,
Denn fängst wieder an zu murksen!
Wer hat bloß dem Knopf bedeiwelt?
Huckt der Krät nich festgerammelt,
Daß er nich dem Kopp kann riehren,
Daß er nich dem Ausgang findet,
Bloß, um dir zu schikanieren !

Und was nitzt nu das Gewurgel,
Kannst ihm nich e mal zerbeißen,
Deshalb bleibt dir garnuscht iebrig,
Wie dem Kragen aufzureißen!
Könnd ich bloß dem Kerl erwischen,
Wo erfunden hat die Kräten,
Dem mechd ich mit kaltem Lächeln
Wie e Regenwurm zertreten!

Quelle: "Plidder; Pladder." Gedichte in ostpreußischer Mundart
von Dr. Alfred Lau; Gräfe und Unzer Verlag München, 1954

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