Zwei Hosen
Von Dr. Alfred Lau
Es war im Juni. Schwer hing inne Luft
Der Duft von Flieder und Rosen,
Und außerdem hingen im Wind aufe Lein'
Zwei frisch gewaschene Hosen.
Das war nich schlimm, bloß, genauer bekickt,
War es doch e bißche verfänglich:
Die eine war kurz und aus rosa Satäng,
Die andere griesgrau und länglich.
Nu missden se, durche Maschien gedreht,
Man erst auf zu Haus sich besinnen
Das Hos'che, das stammt aus Hildesheim,
Die Hos, die war aus Gumbinnen.
Da pusd das Hos'che sich auch all auf
Und kriegt rundliche Backen,
Es runzeld dem Bund und fing foorts an,
Die griesgraue Hos zu besacken:
"Du plumper Kerl aus der Pollakei,
Sofort hast du hier zu verschwinden!
Dein Anblick allein, das merkst du wohl nicht,
Beleidigt mein zartes Empfinden!"
Das fuhr die Gumbinner Hos im Gebein,
Und denn, mit Boß nu geladen,
Hold tief se von unten erst orndlich Luft
Und knallt empeert mitte Waden.
"Nu heer bloß auf, du alte Kastroll,
Hier große Bogen zu spucken,
Sonst klatsch ich dir eins aufe Karmenad,
Denn kannst vier Wochen nich hucken!"
Das saß! Doch das Hos'che aus rosa Satäng,
Das tat nich weinen und jammern,
Es wolld bloß weg von dem graurigen Kerl
Und zodderd und rucksd anne Klammern.
Doch wie das Hos'sche aus Hildesheim
Sich placken nu tat und zerracken,
Da kehrd de Hos aus Gumbinnen sich um
Und grient ieber sämtliche Backen.
Da kam e karäsiger Wind umme Eck
Und klatschd die zwei Hosen zusammen,
So dass se mit eins nu - wer hädd das gedacht!
In Wonne und Seligkeit schwammen.
Vereint fier immer, so hielden se
Sich fest und eng nu umschlungen,
Und was vorher völlig unmöglich schien,
Das hädd nu - e Windstoß vollbrungen
Quelle: "Plachandern und Quiddern auf Deiwel komm raus." Verlag Gerhard Rautenberg, Leer, 3. Auflage 1994
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