Jette schreibt auße Stadt
von Fritz Klabustrijkeit
Liebe Elterchens, jätz bin
ich all bald 6 Wochen hier,
So jefällt mir ganz vorziejlich,
Bis'che bangen tu ich mir.
Sonsten fiehl ich mir gang wohl hier,
Man de Jnädje, dies Jeställ,
Porrt und buggsert einem ewich,
Immer blarrt se: Jättche, schnäll!
Nei, se hat auch rein dem Fimmel,
Denkt bloß: Morjens bad se sich,
Schrubbert sich sogar de Zähne
Mitte Birst , - rein firchterlich!
Nachem Baden wird se miede,
Erst trinkt Kaffee se ganz fein,
Und dann krauft se mitte Zeitung
Inne Hotz noch einmal rein.
Durch e Brill mit so e Stiel drann
Tut se lesen innem Bätt,
Wenn der fehlt, denn brillt und bälkt se:
Jättche, wo is mein Lornjätt?
Und ihr Mann, der olle Prämmel,
Hat e richtjem Kullerbauch,
Ieberall, wo was zu ässen,
Brllt er, mir mal bitte auch.
Auch e Jung von 18 Jahren
Haben se, der is sehr nätt,
Neilich sagt er, daß ich wirklich
So e scheene Rundung hätt.
Ob er mir amend tut lieben?
Elterchens, denkt man nich schlächt.
Wenn er mir amend mecht freien,
Ob er Eich amend wär recht?
Inne Kich, jleich vorn am Eingang
Steht e Gasherd, der brennt fein,
Bei dem ställt kein einzjes Mal nich
Wo sich Brännholzmangel ein.
Neilich, wie de Herrschaft wech war,
14 Tag wo ieber Land,
Hab ich schnäll ihm anjepeesert.
14 Tag hat er jebrannt.
Auch das Licht hier inne Stubens
Braucht kein mal Petroljum nich,
14 Tag in eins tats brennen,
Davon ieberfiehrt ich mich.
Abends, wenn ich liejen jehn will,
Muß stets Gute Nacht ich sagen,
Will wo einer noch was haben,
Muß ich stets de Herrschaft fragen.
Neilich hätt der gnädje Herr hier
E paar Freinde zu Besuch, ein.
Und die huckten bis um 12 rum,
Nei, dacht ich, jätz is jenuch.
Um se aberst nich zu steeren
Jing ganz leise ich sodann
Ich von einem zu dem andre,
Bis ganz dicht an ihm heran.
"Haben se amend e Wunsch noch?
Frug ich jedem aus'e Näh,
Ich wollt man ganz leis bloß sagen,
Daß ich in mein Bätt jätz jeh."
So verfliejen nu de Tage,
War der Karl all mal besoffen?
Hat de Schwarze all e Kalbche?
Was ich auch von Eich tu hoffen.
So, nu is mein Brief zu Aende,
Und de Schreiberei is aus.
Wenn de Jnädje bleibt so dammlich,
Muttche, denn komm ich zu Haus.
Aus: "Aecht Ostpreißisch"
herausgegeben 1937 vom Sturmverlag Gmbh., Zweigniederlassung Insterburg
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