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Gedichte
in missingsch
 

Kindermund

Von Bruno Albrecht

Mein Freund Kardel Gottlieb Schwänster,
wo mit Schulden reich gesegent,
steht mit seinem Knirps am Fänster
und sieht zu, wie's draußen regent.

Sieht grad auf sein Haus loskommen
wieder . . . dem Gerichtsvollzieh'r,
sagt zu seinem Sproß beklommen:
"Duche, ich verschwind' mal hier!

Werd' im Kleiderschaff reinkraufen!
Wenn der Kerl hier kloppen wird,
kannst du schnell ihm öffnen laufen,
und dann sagst ganz unbeirrt:

Vater is verreist heut Morgen
dienstlich nach Johannestal!
Kerlche, das mußd fein besorgen!
Kriegst Bonbons auch wieder mal!"

Kaum hat's Jungche dies versprochen,
bums, da kloppt es auch all an!
Vater is ins Schaff gekrochen,
öffnen läuft der kleine Mann!

Läßt ins Zimmer ohne Sorgen
seines Vaters Angst und Qual:
"Vatche is verreist heit Morgen
dienstlich nach Johannistal!"

Oh, verdammt, der Kerl wird fragen:
"Nu, wann kömmt er wieder - he?"
Ja, was soll dis Jungche sagen?
Kömmt im Druck - o je, o je!

Doch dann öffnet trei und bieder
er dis Schaff mit einemmal:
"Vatche, sag', wann kömmst denn wieder
du aus dem Johannistal?"

Aus: "Lorbasse und andere Leutchen"

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