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Gedichte
in missingsch
 

Schwäbische Kunde

Von Ludwig Uhland
Fier Ostpreißen umgearbeitet von Kardel

Alfred Lau

In die Tirkei wurd mal vor viele Jahre
- Das is all meist e Jubiläum wert -
Aus reine pure Dollheit ein Gebirge
Von deitsche Ritters durch und durch gequert.
Das hädd der Kaiser Rotbart bloß befummelt,
Dem spickd der Hafer, und da sagd er sich:
"Ich muß mal raus aus diese molsche Gegend,
Ob einer nu zu Haus huckt oder nich,
Das is all allens eins mit das Regieren,
Und deshalb geht nu los im tirkschen Reich,
Ich will mir mal de Großmoguls bekicken
Und ihre Harems mit das Weiberzeig!"
Nu wienerden de Ritters ihre Ristung
Mit Schmirgel und Sidol und Tärpentin,
Denn wichsden se de krumme Wellblechstiefels
Sich blank mit Spucke und mit Guttalin,
Denn premsden se Bulljong- und Maggiwirfel
Und kalte Klopse innem Rucksack rein,
Manöverzwieback, hartgekochte Eier
Und Gummiknippelwurst und Aeppelwein.
Und denn ging los wie auf e Felddienstiebung,
De Ritters brillden aller laut "Hurra",
Der Kaiser Rotbart konnd am dollsten brillen,
Denn sagd er: "Sind nu alle Ritters da?"
Denn tat er einmal auf em Daumen pfeifen,
Weil mang die Ritters kein Trompeter gab,
Und von das Pfeifen nu infolgedessen
Ging längs e Donau los im Aeppeltrab.
Wie se mit eins nu ins Gebirge waren,
Da wurd mit die Verpflegung ganz verrickt.
Der Rucksack war noch leerer wie der Magen,
De Futterasche war all lang verdrickt,
Und wie se nuscht mehr zu verbeißen hädden,
Da wurd es mit es Fressen allerhand,
Da gab zu Mittag kleine runde Steinchens,
Zu Ambrot aufgewärmtem Wiestensand.
De Schinders waren weder aus Trakehnen,
Noch aus es Landgestiet Georgenburg,
Die Kräten waren aller molsch und klapprig,
Drum hielden se dem Wiestenritt nich durch.
Se kippden um, und alle Ritters schnallden
De Pferdchens hinten auf em Rucksack rauf,
Se konnden sich nich von die Kraggen trennen
Und hoben ihnen zur Erinnrung auf.
Mang ihnen war ein Ritter auch aus Schwaben,
Und dem sein Pferd war ganz besonders schwer,
Und daderwegen machd er schlapp und zockeld
Zehn Kilometer hinten hinters Heer. -
De Tirkens hädden all auf dem gelauert -
Von wegen Harems! Und der Großmogul
Wolld ihm e bißche mang e Rippen buggern
Wie mit es Lienjal inne Klumpenschul.
Nu schossen se mit ihre giftge Pfeile
Auf seinem Schild aus eins rein wie verrickt,
Und der sah aus wie falscher Hasenbraten,
Wenn ihm de Mutterche mit Speck bespickt.
Fuffzehn Heiducken iebden sich mit Zielen,
Die Kräten waren inne Jeberzahl,
Umzingeln ging nich, und da dachd der Ritter:
"Ach, laß se ruhig pinksern, is eingal!"
Die dachden aber nu, er hat Manschetten,
Und wurden dreist und rempelden ihm an,
Und einer fuchteld schaurig mang die Lifte
Und kam bis annem Pferd sein Zagel ran.
Da ging dem Ritter foorts de Galle ieber,
De Finger kribbelden, er kehrd sich um
Und spuckd sich inne Hand und nahm dem Säbel
Und aasd e bißche mang die Tirkens rum.
Dem ersten, wo er mang e Finger kriegde,
Dem diwediert er auf ein Hieb durch zwei,
Dem Sattel auch, der wurd sehr stark beschädigt,
Das war e Augenblick, denn war vorbei.
Der linke und der rechte halbe Tirke
Die sielden sich nu rum im Wiestensand,
Zwei fuffzig Abstand - und die andern Tirkens
Die dachten, das is wirklich allerhand,
Was der da macht, der Krät der kriegt es fertig
Und schneidt uns aller scheibchenweise auf
Wie Dauerwurst und Emmentaler Käse
Und legt uns auf e Friehsticksstullen rauf.
Und weil se das nu nich riskieren wollden,
Da machden se sich dinn und rickden aus,
Nu konnd der Ritter ruhig weiterzockeln
Und kam auch unbeschädigt fein zu Haus.
Der Kaiser Rotbart heerd nu immer munkeln
Von die Heiduckendiwediererei,
Das freid ihm sehr, drum schrieb er e Depäsche
Und holde sich dem Ritter foorts herbei.
Der kam nu auch und ließ sich ieberheeren,
Denn sagd er lachend mit em Mund verquer:
"Das war man Spaß, Se sollden bloßig sehen,
Wenn ich mal richtig ungemietlich wer!"

Quelle: "Plidder; Pladder." Gedichte in ostpreußischer Mundart
von Dr. Alfred Lau; Gräfe und Unzer Verlag München, 1954

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