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Gedichte
in missingsch
 

Mein ostpreußisches Lexikon

Von Hildegard Rauschenbach

Viel Wörter stehn im Lexikon,
doch meine stehn nicht drin;
drum geb' ich heut' euch e Lektion
von Wörter, die nach meinem Sinn.
Ich fang gleich mit "a" an, wie sich geheert:
Ich fiehl mich aasig gut - was mich nich steert.
Nu sag ich Abe. Na, kennt ihr das Wort?
Das war unser Häuschen am ganz stillen Ort.
E Butsch gab ich Papa stets für e bunte Tut,
und war ich mal boßig, denn plinst ich vor Wut.
Mit "c" jibt nuscht, ich mach weiter mit "d",
ich sag Damlack und Dubbas, mir tut der Dassel all weh.
Und dreibastig, das war e kiewiger Jung,
nu machen wir nach "e" und nach "f" schnell e Sprung.
Einschuuschen tat mich einst de Mutter inn' Schlaf,
und de Flinsen aß ich als Kindche ganz brav.
E Huhn, das had Flochten, und das Holz tat man fleihn,
inne Glums de kleinen Gissel ganz gieprig hauten rein.
De Gnoszen gnidderten wenn se Heemskes taten zergen ,
wenn uns hubberd, konnten de Händ inne Handschkes wir bergen.
Wir schossen Kobolzke und kalberten rum
Und krichten Kattun von de Mutter darum.
Se kalbeekte mit uns, wenn wir Kruschkes mal klauten
oder beim Toben ihr de Hotzen versauten.
Lorbas, Lachudder fängt an ja mit "L",
auch Labommel und Lauks, denn kommt de Marjell.
Bonbonchens, die gab uns der Kaufmann magrietsch,
und de Mutter e Mutzkopp, da war se nich gnietsch.
Mit "o", da fällt mir man Ohjahnen ein,
man ohjahnte, wenn man molsch war und schlief denn bald ein.
Über Pareetskes, Pasorren, Pungel, plachandern
wollen wir nu zum "r" weiterwandern.
Raderkuchen - was haben wir gern die gegessen,
und nu hätt ich beinah doch de Poggen vergessen!
Zum Pogg haben wir auch Rapetschke gesagt,
und mit e Rabbaks e lange Rachachel verjagt.
Nu schabber ich von Schmand, von schmengern, von Schlorren,
von schichern, von suckeln, von Schlunz und von schorren,
von scheiweln, vom Spirjel, von schurjeln, Spacheister,
- ach Gottche - das jeht ja jeschmiert wie mit Kleister!
Nu will ich mal sehn, ob ich weiß was mit "t".-
Beim Schnupfen tut mir immer der Tuntel so weh!
Dem Truschbock vorm Schlachten man tachtelt übern Deez,
der Turgus war bei uns am Sonnabend stets.
E Uhl is e Eule, und de Uhleflucht gar
für uns Kinder was scheenes Schuchriges war.
Verspaakt war e Faß, wenn aus alle Ritzen es lief,
e verlodderter Vengtiner aufem Heuboden schlief.
Beim "w" fällt de Wischkoll mir gleich ein
und das Wist'che; das trugen de Kinderchens klein.
Ich weimert, wenn de Jungens e Wabbelche quälten,
und ich freut mich, wenn e Wippzagel mittem Stein se verfehlten.
Nu sind wir angelangt all beim "Z"
mein Lexikon is beinah komplett.
Da haben wir e Zippel, was is e Zwiebel,
und nu muß ich sagen, is gar nich iebel,
wenn dem Zagel ich ganz zum Schluß nu häng an,
denn e Zagel is immer hinten man dran!

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