De dammliche Lieb'
Von Josef Wiener-Braunsberg
Es steht jedruckt und auch jeschrieben,
Und heeren kann man's weit und breit:
Das heechste Jlick, das wär', z e l i e b e n,
Zumal auf Jejenseitigkeit!
Doch fragt nach meiner Meinung einer:
Ich bin nich fier de Schwärmerei!
Und schmissen se nach mir auch Steiner,
Ich wirde sagen: "Gottche, nei!"
Seh' das Jetuh' ich, das Jeschwärme
Mit "sieße Maus!" und "trauzter Schatz!"
Und dies Jeluchtre und Jehärme, --
Denn krieje ich beinah' de Platz!
Seid mir bloß still mit eierm "Triebe",
Sonst reißt mir doch noch de Jeduld!
Ich sag' im Jejenteil, de Liebe
Is bloß an allem Unjlick schuld!
Ich sag schon nuscht vom Paradiese,
Wo uns hinaus der Herrgott schmiß,
Weil Adam mit der dummen Liese,
Der Eva, in den Apfel biß.
Als er mang den Christoorbeer-Hecken
Sich dann verkroch zur selb'jen Zeit,
Da sah zu spät er's ein mit Schrecken:
Das kommt von der B e t u ' l i c h k e i t !
Bei alledem war er kein Knabe,
Der Adam, vielmehr schon ein Mann.
Heit' aber fängt's mit dem Jehabe
Schon bei den kleinen Jungchens an!
Kommt so 'nem Laps in weiter Ferne
Ein hibsches Mädchen in de Quer',
Denn denkt er nich mehr ans Jelerne,
Denn zagelt er jleich hinterher.
Denn heert man jleich von "trauzter Engel"
Und von 'nem "Zufall", der "famos",
Und dabei is der ganze Bengel
Kaum jreeßer als 'ne Schniefke-Dos'!
Und sie? - Das is nu gar erst schändlich.
Anstatt sich abzewenden schnell,
Kuckt se ihn an so überwendlich
Und jrient, - die schosslije Marjell!
Nu hockt der Laps, statt bei den Biechern,
Bei der Marjell tachein, tachaus,
Und bringt, - das kann ich eich versichern! -
Ein schlechtes Zeichnis mit nach Haus'.
Und wenn der arme Mann, der Vater,
Den Jung nu haut, so doll er kann, -
Is der nu schuld, dass so was tat er??
I wo! --- D e L i e b' i s s c h u l d d a r a n !
Und hat man kirzlich nich erfahren,
Wie so ein armes, junges Ding
Von siebzehn oder achtzehn Jahren
Direktemang ins Wasser jing?
War es der Hunger, waren's Sorjen,
Was se in die Verzweiflung trieb,
Weil keiner mehr wollt' Jeld ihr borjen??
I wo! --- E s w a r d i e k r e e t s c h e L i e b'.
Und manchen Pracher jiebt's hienieden,
Wo heimlich auf de Liebe flucht,
Der, weil se ihn foorts stets jemieden,
Im Kornus seinen Trost jesucht!
Und is es wirklich ein Vergniejen,
-Ich nehme selbst den besten Fall-
De Flasch' zu wärmen, Bäljer wiejen,
Und Windelduft und so was all'??
Bejlicken soll de Lieb'? - Erbarmen!
Der, wo das sacht, is jeistig schwach!
- Und muß man mal an was erwarmen,
Denn jibt's Ersatz doch hundertfach!
Ich beispielsweis', ich lob' als Schatzchen
Ein Hundchen oder Katzchen mir. -
Besonders so ein kleines Katzchen,
Das is doch so ein trauztes Tier!
Man kann sich an ihm immer freien,
Nie wird das Katzchen unbequem!
Man kann es streicheln und puscheien,
Und Meise fängt es außerdem.
Drum schreit ihr Merder auch und Diebe
Und dschabbert fusslich eich den Mund:
Bleibt ihr bei eirer dwatschen Liebe! -
Ich bleib' bei Katzchen und bei Hund!
Quelle: "Mein Vater ist ein kleines Mannchen." Ostpreußische Vortragsgedichte von Josef Wiener-Braunsberg; Eduard Bloch Theaterverlag Berlin
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