Der Liebestrank
Von Dr. Alfred Lau
De alte Frau Gramattke war
Mit Siebensinn gesegent.
Am Dienstagabend wußd se all,
Daß Freitag morgen regent.
Se konnd besprechen, und es half
Bei Menschen und bei Tiere,
Dem Reismantismus kriegd se weg
Und Warzen und Geschwiere.
Se las de Zukunft auße Hand
Und konnd auch Karten legen,
Auch was e Traum bedeiten tat,
Das wußd se allerwegen.
Drum kam de Lies'che Kankeleit
Bei ihr mit ihre Schmerzen,
Das war e ganz besondrer Fall,
Es huckd bei ihr im Herzen.
Se liebd dem August Baltruschat
Und spickelierd: "Warum nich?"
Er war e Kerdel wie e Baum,
Doch hädd er keinem Mumm nich.
Dem August seine Schichternheit
War wirklich rein zum Lachen,
Drum wolld se ihm mal unterm Dups
E bißche Feier machen. -
De Frau Gramattke simmeliert:
"Du mußt e Mark mir geben,
Denn koch ich dir e Liebestrank,
Das wird ihm foorts beleben.
Denn wird mit sieße Wörters er
Dir immerzu umschmeicheln,
Emmend sogar, wenn keiner sieht,
Dir iebre Backen streicheln."
"Mehr nich?" "Ja, wenn du zwei Mark giebst,
Koch ich ihm bißche stärker,
Denn drickt er fest dir an sein Herz,
Bloß, wie gesagt - zwei Märker!" -
"Nu, is egal, ich geb dir drei!" -
"Ja, denn wird er dir butschen
Und abends vore Hausentier
Dis Maulche dir belutschen."
"Weißt", sagd de Lies'che, "ich hab mir
So lang all missd gedulden,
Drum koch mir man zur Sicherheit
Gleich einem fier fimf Gulden."
zum Gedichtverzeichnis
|