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Gedichte
in missingsch
 

Liese

von Ernst Gardey

Wir sind ihre zwei man:
de Liese und ich.
Wir teilen sich alles
was angängiglich.

Ich geb ihr das Fressen
und geb ihr dem Stall,
sie gibt mich de Milch
und e Zickche manchsmal.

Auch gibt se dem Dung mich
fier Garten und Feld,
se is sozusagen
mein Gut auffe Welt.

E Hund liebt sein Herrche,
de Liese liebt mich;
is los se, denn liegt se
bei mich inne Kich.

Geh ich innem Garten,
denn kommt se mich nach
und stummst mir und meckert.
Ich laß ihr und lach.

Ja, ja, wir zwei beide
sind schon e Gespann,
Mensch sieht auße Augen
uns Freindschaft all an.

Verstehn alle Menschen
so gut sich wie wir,
denn is ewich Eintracht
vor jedermanns Tier.

Doch ruft mir der Herrgott
im Himmel zu sich,
denn hilft nuscht nich, Liese,
denn geh ich von dich.

Denn bist ganz alleinche.
Doch drum nich verdrieß.
Kommst auch mal im Himmel -
ins Tierparadies.

Mank schneeweiße Lammchens
denn krichst da e Hock,
da stummst dir und zärcht dir
kein Mensch und kein Bock.

Da liegst in dein Hockche,
machst Bohnchens und frißt,
hast Ruh, weil du denn ja
e Himmelszieg bist!

Aus: "Lustige Schabberei",
zusammengestellt von Marion Lindt,
verlegt 1949 vom Sturmvogel-Verlag, Lichtenfels a.M.

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