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Gedichte
in missingsch
 

De beste Millezien

Von Dr. Alfred Lau

Se hieß Karline Plimpereit
Und war so dammlich, wie se lang war,
Die hädd sich was im Kopp gesetzt:
Ihr war nich wohl, wenn se nich krank war.
Rein nuscht tat se dem ganzen Tag,
Wie wuien bloß und sich bedauern
Und voller Sehnsucht spät und frieh
Auf jede neie Krankheit lauern.
Des Morgens hädd se es im Hals,
Des Mittags spierd se es im Ricken,
Nachmittags kullerd es im Bauch,
Und abends tat im Kopp es spicken.
Des Nachts da fand se keinem Schlaf,
Und alle Naslang missd se husten,
Und wenn se mal e Endche ging,
Denn missd se sich e Stund verpusten.
De Schieblad hädd se vollgepremst
mit Nerventee und Abfiehrpillen,
Wie Kraut und Rieben lagen da
Tablettchens, Tropfen und Pastillen,
Denn was se inne Zeitung fand,
Das tat se alles ausprobieren,
Und zwischendurch bestrahld se sich
Und ließ sich oft das Kreiz massieren.
Se rieb sich ein mit Rindertalg,
Die arme, kranke Karoline,
Auch Weizenkeimöl nahm se ein
Und fuffzehn Sorten Vitamine.
Kein Doktor half, kein Krankenhaus,
Sogar e Wunderkur versagte,
Es war, als wenn e beeser Wurm
An ihrem Lebensfaden gnagte.
Er gnagte auch am Portmanneeh
Und ließ de Dittchens nich verrosten,
Je wen'ger, daß er taugen tat,
Je mehr tat meist der Plunder kosten.
Da kam der Dokter Schipporeit
Und hat ihr schwer Bescheid gestoßen
Und ganz geheerig ausgestiebt.
Am meisten aber tat ihr boßen,
Wie er de Schieblad hat entdeckt.
Die hat er einfach rausgerissen,
Dem ganzen Dreck denn umgestilpt
Und alles aufem Mist geschmissen.
Nu war vorbei mit Millezien,
Nu kriegd se, was se längst missd haben,
E großem Spaten inne Hand,
Mit dem missd se im Garten graben.
Das tat ihr gut, so daß se nu
All wieder freehlich, frisch und rund is,
Am dollsten aber ärgert ihr,
Daß se nu leider ganz gesund is.

Quelle: "Plidder; Pladder." Gedichte in ostpreußischer Mundart
von Dr. Alfred Lau; Gräfe und Unzer Verlag München, 1956

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