Omas Schaff
von Ernst Gardey
Ins Kämmerche mang Kraßelzeich,
mang Koddersäck, Kastrolls,
steht unsre Omache ihr Schaff
aus jelblackiertes Holz.
Das Schaff is alt bald hundert Jahr,
is windschief und verspakt,
hat man zwei Fieß noch, und ins Holz
all rum der Holzbock gnagt.
De Tier von's Schaff, die is verquolln
und quarrt und quietscht und klemmt -
is all kein Schloß mehr annes Schaff,
das wurd mal ausjestemmt.
Ins jelbe Schaff hat Oma drin
ihr ganzes Hab und Gut. -
Weh dem, der da mang ihr Bereich
amend mal kramen tut!
Pacheidelchens sind drin in ihm,
auch e Schatullche Schmuck,
e Album, mit e Spieluhr drin,
wo noch von anno Kruck.
E Vogelbauerche aus Holz,
e alter Sock mit Jeld,
e Flickerteppich, wo all alt
und nich mehr allewelt.
Und noch so allerhand Schramull
is innen aufjefleiht,
dis meiste is Pennutchekram
aus längst vergangne Zeit.
An das Jekraßel Oma hangt, -
von alles weiß se was, -
das eine tut erinnern se
an dies und jens an das.
Ja, wenn mit alles nich ins Schaff
verknipft Erinn'rung wär,
denn wär das alte Meebelstick
ganz sicherlich all leer.
Nu steht es da ins Kämmerche
mang Kraßelzeich, Kastrolls -
is hat e hohem, heiljen Zweck -
is Omama ihr Stolz.
Aus: "Lustige Schabberei", zusammengestellt von Marion Lindt,
verlegt 1949 vom Sturmvogel-Verlag, Lichtenfels a.M.
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