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Gedichte
in missingsch
 

Schnell verdient

Von Dr. Alfred Lau

Der alte Kairies is nich zimperlich
und kennt auch bis jetz keine Krankheit noch nich,
dabei lügt er, er is all bald hundert,
doch wie ihm Herr Müller, der Rechtsanwalt,
bei e Treibjagd hat eins vore Bixen geknallt,
das hat ihm doch mächtig gewundert.

Das ging wie e Rucks ihm durch Dups und Gemiet,
als wenn ihm von hinten wer Backzähne zieht,
so hoppsd er und tanzd wie e Dummer.
Das sahen de Haschens bloß alle zehn Jahr
und vergaßen dadrieber, daß Treibjagd war,
vergaßen de Angst und dem Kummer.

Herrn Müller dagegen, dem Rechtsanwalt,
dem lief ieberm Puckel es heiß nu und kalt,
und er war vor Schreck wie besoffen.
Jedoch solang wie auf Jagd er all fuhr,
bis jetz schoß er Löcher bloß inne Natur,
nu hädd er mal richtig getroffen!

Doch es nitzd ihm nuscht, und de Freid war man klein,
was mußd es auch gradzig e Treiber sein,
e Hasche wär besser gewesen,
nu muß er bezahlen, und das is schlecht,
doch besser kommt einer im Gutens zerecht,
wie vor es Gericht erst im Beesen.

Der alte Kairies, na, der sieht das auch ein,
dabei hoppst er vor Schmerz aufem rechten Bein,
denn wieder vor Freid aufem linken.
Der Herr Rechtsanwalt Müller is gnietsch und klug,
zehn Mark, so meint er, das ist wohl genug
fier das bißche Schrot inne Schinken.

"Ich bring Sie natierlich sofort jetz nach Haus",
dabei puhlt auße Fupp er e Zwanziger raus,
e Zehner kann er nich finden. -
"Daß es hinten bloß traf, das war ja noch Glick,
nu geben Se, bitte, zehn Mark mir zurick
und lassen sich orndlich verbinden."

Da grient der Kairies: "Ich mechd ja all, doch
ich krieg meine Rente erst nächste Woch,
und das Geld, das brauch ich zum Leben.
Am einfachsten is es, Se brennen nu schnell
mir hinten noch einmal e Ladung aufs Fell,
denn brauch ich nich rauszugeben."

Aus: "Lorbasse und andere Leutchen",
Verlag Gerhard Rautenberg, Leer, 1995

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