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Gedichte
in missingsch
 

Mein Uhrche

Von Dr. Alfred Lau

In meinem Stubche ieberm Sofa,
Da hängt e kleine, alte Uhr.
Und aus ihrem Bauchche bammelt runter
E Kilo anne lange Schnur.

De andre Schnur is abgerissen,
Ganz frieher war se mal zurecht,
Denn hab ich wo die Schnur verschmissen,
Dem Kilo aufem Sims gelegt.

Und da wolld se mit eins nich gehen,
Und hing ganz traurig anne Wand,
Da half kein Pinksern und kein Maddern,
Weil ich die andre Schnur nich fand.

So hängt se nu all viele Jahre,
Ich kick ihr an, es is halb zehn,
Denn weiß ich foorts, herrjehs, nu is ja
All wirklich Zeit zum Schlafengehn.

Und morgens reib ich mir de Augen,
Nu is halb zehn, nu steh ich auf,
So regelt Tag fier Tag ganz pinktlich
Mein Uhrche meinem Lebenslauf.

Se geht nich, schad nuscht, es geniegt mir,
Se tickt nich, macht mir nich nervös,
So wolld ich ihr gerade haben,
Bloß einmal wurd ich dichtig bees.

Da huckd ich, schlubbernd meinem Kaffee
Und stubbssd dabei dem Kilo an,
Da plumpsd vom Sims der andre Kilo,
Und haud mir annem Dassel ran.

Da schleppd ich aber foorts mein Uhrche
Bis aufe Lucht und sagd zu sie,
"Nu kannst mang de Klamotten hängen,
Und tret mir nich mehr wiesawieh!"

Doch - traurig schlichen meine Tage,
Auf die Tapet - e gelber Fleck,
Wenn ich ihm sah, denn missd ich weinen,
Mein trautstes Uhrche war ja weg!

So schleppd ich virzehn lange Tage
Dem stillen Schmerz mit mich herum,
Und denn, denn kletterd aufe Lucht ich
Und kickd mir nach mein Uhrche um.

Nu hängt se wieder auf ihr Platzche,
De Brusch, wo mir der Kilo schlug,
Is auch all wieder abgeschwollen,
Und nu - is wieder spät genug.

Ich werd mir inne Posen schmeißen,
Die Zeigers weisen auf halb zehn,
Nu fircht ich bloß, se kriegt wo Nicken,
Und - fängt wo wieder an zu gehn!

Quelle: "Plidder; Pladder." Gedichte in ostpreußischer Mundart
von Dr. Alfred Lau; Gräfe und Unzer Verlag München, 1954

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