Das Zeignis
Von Friedrich Erich Petukat
Innem Stubche is es schubbrig,
und das Lampche blakt ganz scheen,
und de Schwabchens annem Ofche
inne Ritz spazieren gehn.
Und de Gnädje, aufgeplustert
mit's Jabotche, weiß wie Schnee,
kickt zum Aerpel, was ihr Mann is,
wie zum Gottche inne Heeh'.
Auch der Jung huckt anne Tafel,
stochernd im Kartoffelbrei,
bis auf einmal fragt der Vater,
was denn mittem Zeignis sei,
was der Meiranstrampel hat nu
heite früh nach Haus gebracht,
und das er beinah verschwitzt schon,
wenn er jetzt nich nachgedacht.
"Schön is anders", meint sein Frauche,
"trink man erst dein Glasche aus,
und dann hol es dir man selber
freindlichst auße Schublad raus."
Und der kleine Luntruß wird nu
von dem Schreck ganz furchtbar blaß.
Und der Vater brummt:"Na wart man!
Nachem Essen setzt es was!"
Und dann kramt er außem Schubfach
sich das Zeignis wütend raus
und schimpft los, so wie e Bullbaß,
daß ihm forts de Luft geht aus:
"Du kalfaktriger Lachodder,
du infamer Faulpelz du,
deinetwegen, alter Schmierfink,
find ich noch im Grab nich Ruh!
Ungenügend im Betragen,
innem Fleiß demselben Dreck,
und im Deutsch der reinste Esel,
im Französisch nich vom Fleck.
Grinst auch noch, du alter Speilzahn!
Hädd ich dieses mir erlaubt,
hädd mein Vater mit de Hundsbud
geg'n de Hessen mir gehaut.
Mit de Mistfork hädd'der Vater
grindlich mir dis Fell geschabt,
wo ich wenigstens e Monat
dran zu suckeln hädd' gehabt.
Wärst du dammlig, kreetscher Limmel,
hädd' es mich je nich tangiert,
doch im Fleiß bloß "ungenügend",
dafier gibt's was aufgeschmiert!"
Und er faßt ihm beim Kreppschull nu,
streckt ihm hin da, wo der Stock,
da greift ihm wie angestochen
seine Alte annem Rock:
"Mann", sagt se, "halt bloß de Blubber!
Laß dem Jung, blamier dich nich!
Dieses Zeignis auße Schublad',
Mänsch, is ja noch eins von dich!"
Quelle: Friedrich-Erich Petukat: "Erika"
Ein ernst-heiteres und ostpreußisches Vortragsbuch;
Verlag Petukat-Berg, Flensburg"
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