Wozu die Zeitung gut ist
Von Josef Wiener-Braunsberg
Zuweilen kommt es vor im Leben,
Daß Wer - mal wo - mal was verliert,
Und - daß se es zurick ihm jeben -
In einer Zeitung annonciert.
Mal ist's ein Brosch'chen, mal ein Ringchen
Und mal von Holz was oder Blech,
Mal dies und mal ein andres Dingchen,
Mal fliecht ein Vogel einem wech.
Denn zeijt sich nu jleich die Bedeitung
Der Presse, und daß se ein Jlick,
Denn meistenteils kricht durch die Zeitung
Man das Verlorene zurick.
Und is es mal nuscht mit dem Finden,
So kann man, das bejreift ein Kind,
Das meistenteils mit dem bejrinden,
Daß manche Leit' nich ehrlich sind!
Was jern jeleckert und jeschluckt wird,
Hat einer so 'was zum Verkauf,
Denn jeht er, wo das Blatt gedruckt wird,
Und jibt bloß ein Annonc'chen auf.
Mal sind es Gurken mal Jemiese,
Doch meistens is es Rinderfleck,
Und weil man jern ißt alle diese,
Jehn se wie warme Semmeln weg.
Is irjendwo ein Tanzverjniejen
Das steht auch in der Zeitung drin.
Doch weil man da kann Wichse kriejen,
Jeht man oft lieber nich erst hin.
Hinjejen is sehr zu empfehlen
De Zeitung, das steht fest bestimmt,
Wenn eine einen Mann mecht' wählen,
Und weiß nich wo se her ihn nimmt!
Jeht se zur Zeitung die paar Schrittchen
Und zählt das Jeld dort auf den Tisch,
Kricht je fier die paar lump'gen Dittchen
Nich einen, - nein, ein ganzes Wisch!
Und wenn in dem Bekanntenkreise
Ein kleines Kindchen einpassiert,
Wenn einer macht de letzte Reise,
Auch das wird alles annonciert.
Wenn Jahrmarcht is in unserm Neste,
Hat Rotlauf irjendwo ein Schwein,
Sind zu erwarten hohe Jäste,
Denn setzt das der Herr Landrat rein.
Und denn noch die Roman-Jeschichte!
Die is so spannend, - Gottche nei!
Und denn - besehn so recht bei Lichte -
Es nickt sich doch so hibsch dabei!
Ich kennt' - wahrhaft'jen Gott!- zuweilen
Nich schlafen, jeh ich in das Bett,
Wenn ich vorher nich ein paar Zeilen
Von dem Roman jelesen hätt'!
Se pflegt auch ferner zu enthalten,
was so jeheert zum feinen Plie,
Von Polletik 'ne Menge Spalten, - - -
Das aber les' ich meistens nie.
Auch sonst kann man se viel benutzen,
Nie zeicht se unverwendbar sich;
Man kann mit ihr de Fenster putzen
Und - - -, aber nei, das sag' ich nich!
So meje er denn nie verdorren,
Der scheenste, edelste Beruf!
Man sollte auf den Knieen schorren
Vor jenem Mann, der ihn erschuf!
Und wenn se mich mit Spott bedenken,
Ich täte selbst ein Stadtblatt sein,
Soll's mich nich boßen und nich kränken; -
I wo! - - Ich bild' mir was drauf ein! - -
Quelle: "Mein Vater ist ein kleines Mannchen." Ostpreußische Vortragsgedichte von Josef Wiener-Braunsberg; Eduard Bloch Theaterverlag Berlin
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