Ziehtach
Von Ernst Gardey
Na, das is vleicht e Kraßelei!
Und von die krätsche Rennerei
treppauf, treppab im Schweinsgalopp,
brummt einem all der Dammelskopp!
Auch wird Mensch kreizlahm obendrein
von die verrickte Schlepperein!
Mich tun, wenn ich e Weilche steh,
de Bein all und der Puckel weh!
Dem Ziehmann kimmert das nuscht an,
der weiß ja, daß ihm keiner kann.
Was soll er groß sich abmarachen,
sich peerdsen mit die schwere Sachen.
Der nimmt die kleine man und geht
so langsam, daß Mensch denkt, er steht.
Ja, wenn’s e richtger Ziehmann wär!
Doch wo kricht heit wer einem her?
Heit is doch alles auffe Bein,
weil ieberall wo wer zieht ein,
und weil beinah aus jedes Haus
mit Sack und Pack heit wer zieht aus.
Nu muß sich einer selber plagen,
de schwere Meebel runtertragen,
de Körb mit Gläserzeich, Porzlan,
und weh, hakst ans Geländer an!
Auch mußt dir noch ganz aasich sputen.
Der neie Mieter seit Minuten
all mit sein Kram steht vore Schwell
und rickt wie doll dich auffe Pell.
Bei das Gehetz kann denn passiern,
daß dich beis Meebeltransportiern
e gutes Stick geht inne Binsen,
worieber denn de Nachbarn grinsen!
Wenn dich das Vertiko beschubbst,
wenn dich de Fieß vons Bett begnubbst,
indem mit die wo gegenhaust,
wenn dir zu eilich runtertraust;
wenn dich beschurrgelt etwas nur
von dein Biefee de Poletur,
denn macht nich grad mit Eleganz
de Alte dich e Höllentanz!
Kippt sich der Ziehmann noch amend,
weil ihm wie doll der Gurgel brennt,
mehr hintre Bind, als wie e Mann
bei die Rawasch vertragen kann,
denn gibt es Scherbels noch in Massen
von Bilderchens und Kaffeetassen.
Auch allerhand verbogne Spiegels
Von wegne eckge Mauerziegels!
Ziehst inne neie Wohnung rein,
denn kommt es leicht zu Kabbelein,
indem beis Zimmereingericht
nach seine Nas e jeder spricht.
Nu gibt es ewge Kampelei,
e stundenlange Rickerei
von eine anne andre Wand,
wo paßt laut Zentimeterband!
Und denn geht los de Hämmerei
von wegne Bilderhängerei.
Mußt auffem Tritt denn balanziern,
musst hämmern und muß ausprobiern
wo sich amend e Nagel hält.
Wenn einer dabei runterfällt,
weil einer ist e linkscher Pinsel,
denn bleibt nuscht vonne "Toteninsel“!
Is alles endlich denn so weit,
steht nu und hängt de Herrlichkeit
da, wo ihr der Besuch auch sieht,
denn, ach, du meine liebe Giet,
stellt einer fest noch mit Verdruß,
daß er de Dielen streichen muß.
De Meebel raus, und denn geht los
Mit Eelfarb und dem Bauch voll Boß!
Und pinselst denn erst wie e Wilder,
denn los, auch runter mitte Bilder!
Und denn stirzt dir auch forts koppheister
wie dammlich im Tapetenkleister;
tapzierst de Stuben, malst de Kich,
gibst auch de Decken gleich e Strich.
Und ziehst denn endlich richtich ein,
denn leift von oben Wasser rein!
Denn steht Mensch wie e Oap und stiert:
die weiße Deck is rujeniert,
das Neitapzierte ist benäßt,
und wo Mensch grabscht, und wo Mensch fäßt,
da is es quutschendnaß und drippt,
als wenn wer was hädd ausgekippt.
O zieh, o zieh nich mehr, nei, nei,
der Ziehtach is e Peerdserei!
Aus: "Bitte recht freindlich"
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