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Karlchens Aufsatz - Der Floh

Von Gustav A. Goerke

Der Floh

Der Floh ist ein Insektentier, wo so klein ist, daß man, wenn man ihn erkennen will, man schon ganz niep hinkicken muß.

Der Floh bespringt am allerliebsten die Mänschens, aber die eine Sort, die jeht auch auf Hunde los, so daß dieselbje sich schobben missen wie doll und dammlich. Unserm Hauswirt sein Tell, der will se sich immer mit seine scharfe Zähne ausses Fell beißen, aber wenn er denkt, er hat einem, denn is der längst am andern End vom Tell.

Der Floh jehört zu die Blutsaugers, weil das seine Nahrung is. Unter die Menschen jibt aber auch Blutsaugers, wie unser Vatche einen Tag sagen tat. Das war, wie er sich mit einem Mann von unserm Hof vorhadd. Dadrieber weinte meine Muttche nachher sehr. Sie meind, der Mann vom Hof, der war e richtjer Gurjelabschneider. Weswejen weiß ich nich, und wie ich meine beide Elterns fragte, da sagden beide bloß: Dammlijer Jung, kick lieber im Lesebuch rein! - Und da macht ich e Weilche so, als wenn ich da reinkickd, damit ich nich eins ieberjerissen krichd. Neilich, inne Schul, da sagdte der Lehrer, daß jetz de Flöhe alle ausjestorben sind. Wir Jungens mußden dadrieber aber jniddern, weil der Otto vonne dritte Bank sich jerad einem mitten nassen Finger jegrabschd hadd, der Floh wolld sich auf sein nacktes Knie festhucken. Er schmiß dem Floh denn schnell naches Katheder jejen dem Lehrer hin, und e Weilche drauf, da fink der sich auch all an zu schobben. Ei, da lachten wir Jungens. Jesagt hadd er nuscht, aber wir freiden uns ieber die ausgestorbene Flöhe, von die noch der letzte jrad fierem Lehrer iebrigjeblieben war.

Im Sommer sind de Flöhe immer am verricktesten, weil denn abends de ganze Natur erwacht is. Im Winter leben sie von ihre volljesogne Vorrät inne Dielenritzen oder in andre Versteckers. Auffem Jahrmacht gab es frieher auch einmal einen Flohzirkus zu sehn. Da zogen die Flöhe kleine Wagchens und machten Kunststickchens. Ich glaub aber, das waren meist nachjemachte, mit die der Mann die Mänschens beschummeln tat.

Frieher, da dachd ich immer, daß de Flöhe zu die Haustiere jeheren, weil se sich doch meistens im Haus und inne Bettens befinden. Unser Lehrer meint aber, daß der Floh unter das Unjeziefer zu zählen is.

Es jibt auch ein Lied, wodrin der Floh vorkommen tut, das heiß: Leise flöhen meine Lieder. - Ich kann das Lied schon halb. Unser Onkel August hat mir das jelernt, wie er jerad wieder einmal einem untre Mitz hädd. Mein Muttche meint, daß das e Verricktheit is, wo ich nich im Aufsatz reinschreiben soll. Ich hab das aber doch reinjeschrieben, weil der Herr Lehrer neue Lieder sehr jern hatt und ich denn e bessre Zensur kriej.

Quelle: "Schabber-Schabber - Hanne Schneidereit plachandert;"
zusammengestellt von Marion Lindt

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