www.ostpreussen-humor.de
spaßige
Nutschtkes
 

Noch e Rumche

Von Dr. Alfred Lau

Dem besten Grog gab zu Haus beim Karbau in Willenberg, der war weit und breit beriehmt. Sehr gutem Rum, und so steif, daß der Löffel drin stand. Und wem trotzdem noch zu schwach war, der konnd Rumche nachfodern, denn an dem Grogche wolld der Karbau nuscht verdienen, das war seine Reklame. Da huckd bei ihm mal e Reisender aus Allenstein, sein Tulpche vor e Nas, und wie er dem ersten Schlubberche nimmt, kriegt er dem Ober am Scheeßke zu fassen, wo gerad vorbeirennt, und sagt: "Oberche, noch e Rumche!" Er kriegt e Glas Rum, gießt ein, trinkt. "Oberche, noch e Rumche!" Noch emal kriegt er e Glas und noch emal winkt er: "Oberche, noch e Rumche!" Denn is er endlich zufrieden, kippt dem Grogche hinterm Schlips und bestellt sich noch e Tulpche, wo der Wirt nu aber gleich richtig mischt: Zweidrittel heißem Rum und ein Drittel heiß Wasser. Aber auch das geniegt ihm nich, und der Ober muß wieder dreimal "noch e Rumche" bringen. Das ärgert dem Wirt ganz aasig, und wie der Gast nu das dritte Tulpche bestellt, kriegt er reinem, heißem Rum und nich ein Tropfche Wasser drin. Er probiert e Schluckche und winkt: "Oberche, noch e Rumche!" Da platzt dem Karbau endlich aber doch der Kragen: "Mein Grog is so gut, daß Sie all beim ersten Glas keine Verstärkung brauchden. im zweiten Glas war doppelt so viel Rum wie Wasser drin, und im dritten Glas haben Sie reinem, purem Rum gekriegt. Nu is Ihnen der Grog immer noch zu schwach?" Da meint der Gast ganz erstaunt: "Aber, Mannche, wer sagt was von zu schwach? Zu heiß is er bloß!"

zur Nutschtkes-Übersicht