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Nutschtkes
 

Am Schalter

Von Dr. Alfred Lau

Eine lustige Szene für eine Dame und einen Herrn. Der Herr sitzt im Dienstrock am Schalter, die Dame spielt eine ländlich gekleidete Frau mit einem Regenschirm in der Hand.

Sie: Geben Se mir e Billjett fier zwei Mark.
Er: Wohin?
Sie: Das geht Ihnen garnuscht an. E Billjett fier zwei Mark will ich haben.
Er: Ich muß aber wissen, wohin Se fahren wollen.
Sie: Das könnd Ihnen so passen!
Er: Se missen mir doch sagen, wo Se hin wollen!
Sie: Ich denk garnich dran!
Er: Aber, trautstes Frauche . . .
Sie: Das lassen Se man unterwegns mit trautstes Frauche. Ich weiß, wo ich hin will, und das geniegt!
Er: Nu sagen Se mir endlich, . . .
Sie: Garnuscht sag ich. E Billjett fier zwei Mark will ich, und wo ich hinfahr, das geht keinem Nachtwächter nuscht bei Tage an.
Er: Nachtwächter haben Se gesagt! Das is Beamtenbeleidigung. Das wird Ihnen teier zu stehen kommen!
Sie: Nu pusten sich man nich so auf, als wenn Se der Keenig von Amerika sind!
Er: Das is ja unerheert! Sind Se denn ieberhaupt noch bei Verstand ?
Sie: Mehr wie Sie! Das könnd Ihnen so passen, nachdem ieberall rumzuerzählen, wo ich hingefahren bin.
Er: Das intressiert mir garnich!
Sie: So? Und zuwas wollen Se es denn partuh wissen? Vorgester hab ich e Briefmark fier zwei Dittche gekauft, und der Herr wolld auch nich wissen, an wem der Brief is.
Er: Das is doch auch ganz was andres.
Sie: Das is garnuscht andres, bloß der Herr aufe Post war nich so neigierig wie Sie!
Er: Sagen Se nu endlich, wo Se hin wollen!
Sie: Und ich sag nicht Geben Se mir nu das Billjett!
Er: Wenn Se nich sagen . . .
Sie: Ich werd mir ieber Ihnen beschweren! So was is mir noch nich vorgekommen.
Er: Se können sich hundertmal beschweren, aber wenn Se nich sagen, kann ich Ihnen kein Billjett nich geben.
Sie: So, Se können nich? Warum konnd denn der Herr aufe Post ?
Er: Da steht ja aufem Brief oben, wo er hin soll.
Sie: Ich hab ihm aber nich gezeigt. Denken Se vleicht, ich bin dammlig ?
Er: Ich muß es bald annehmen.
Sie: Nehmen Se das zurick! Sofort, sag ich, sonst hau ich Ihnen mittem Schirm umme Ohren!
Er: Nu auch noch tätliche Bedrohung!
Sie: Ach, Angst haben Se auch? Vor so e altem Regenschirm ? Da missen ja de Hiehner lachen.
Er: Aber heechstens ieber Ihnen.
Sie: Nu langt es mir! Geben Se mir nu das Billjett oder nich ?
Er: Aber. . .
Sie: Nuscht von aber. Geben Se oder geben Se nich ?
Er: Nei.
Sie: So! Behalten Se Ihr koddriges Billjett. Denn geh ich ebend zu Fuß!

Aus:"Kriemelchens - Gedichte in ostpreußischer Mundart von Dr. Lau-" ,Gräfe und Unzer Verlag München 1956.

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