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Ziegenbock wird Beamter

(Artikel aus den alten Danziger Nachrichten)

Eine gewisse Alma Meier lebte vom Deckgeld ihres gekörten Ziegenbocks und hatte in den "Danziger Nachrichten" ein Inserat aufgegeben, daß Ziegenhalter ihre Ziegen zu ihr bringen können, ihr Ziegenbock würde sie für fünf Gulden bedienen. Ein Finanzbeamter liest diese Anzeige, schaut in seiner Kartei nach, ob diese Alma Meier auch Steuern dafür bezahlt. Sie ist überhaupt nicht gemeldet, bezahlt weder Umsatz- noch Gewerbesteuer. Alma Meier erhält eine Vorladung. Sie geht zum Finanzamt; der zuständige Beamte erklärt ihr, daß sie ein Gewerbe ausübe und dafür Steuern zahlen müsse. Alma weigert sich zu zahlen, mit der Begründung, daß das geringe Einkommen gerade für sie und ihren Ziegenbock zum kargen Leben reiche.

Das Finanzamt konfisziert den Ziegenbock und will nun der Sache auf den Grund gehen. Eine Anzeige gleichen Inhalts wird in die Zeitung gesetzt, aber mit Anlaufstelle Finanzamt. Ein paar Leute erscheinen auch mit liebeshungrigen Ziegen, aber der Bock ist nicht gewillt zu springen. Er tänzelt um die Ziege herum, beschnuppert sie, wedelt freudig mit dem Schwänzchen - sonst tut sich nichts. Alma Meier wird wieder vorgeladen, wird gefragt, ob ein Trick bei der Sache sei, der Bock hätte nicht seine Pflicht getan.

"Was heißt hier Trick", erwidert Alma, "der Bock wußte, bei mir muß er springen, sonst haben wir nichts zu beißen. Jetzt, wo er Beamter geworden ist, denkt er, er hat das nicht mehr nötig."

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